Auf dieser Seite finden Sie Berichte und Fotos über Tätigkeiten und Exkursionen sowie weitere aktuelle Themen:

NVM erfolgreich am Buchsi Märit 15. Juni 2019

Der NVM betrieb den Märitstand am Buchsi Markt, der dank der neuen Beachflag gut sichtbar war, unter seinem Jahresmotto „Mehr Natur im Garten, auf dem Balkon und um die Firma!“.

Ein Faltposter mit vielen interessanten Infos zur Biodiversität zum Schwerpunkthema von SRF zur „Mission B“ konnte den Besuchern gratis abgegeben werden. Ebenson diverse Unterlagen von BirdLife Schweiz und die Zeitschrift „Turmfalke“ vom BVS (Berner Vogelschutz). Der NVM gehört diesen beiden Dachorganisationen schon länger an.

In den zwei schönen, von Hans-Ulrich Stucki gestalteten Balkonkisten, konnten z.B. Honigklee, Wilde Malve, Nachtviole und weitere Blüten betrachtet werden, auf denen sich auch Bienen zeigten. Die Raupe vom Braunen Mönch frass sich im Schauglas weiter durch die Blätter der Königskerze. Als weiteres konkretes Beispiel für naturnahe Blütenpracht diente der bunte Wiesenblumenstrauss, gepflückt auf landwirtschaftlichen Wiesen rund um Buchsi. Weiter wurde über invasive Neophyten um Buchsi mit einem Infoblatt und vorhanden Pflanzen informiert. So hatten die motivierten Standbetreuer des NVM konkrete Themen zur Diskussion mit den Standbesuchern und konnten auch über diie Tätigkeiten des NVM informieren.

Die präsentierten Vogel- und Fledermausnistkästen können nach wie vor günstig beim NVM bezogen werden. Nach dem Besuch des Standes und Erklärungen der Zusammenhänge durch die Standbetreuer wollten viele Besucher ihr Wissen beim Wettbewerb zum Standmotto testen und machten sich ans Beantworten der sechs zum Teil kniffligen Fragen. Die fünf glücklichen Wettbewerbsgewinner wurden in der Zwischenzeit benachrichtigt und konnten ihre Preise abholen. Danke allen Besuchern für ihr Interesse und die Teilnahme am Wettbewerb..

Erfreulich viele Standbesucher treten nach dem Kontakt am Stand auch gleich dem NVM bei und unterstützen so dessen lokale Arbeit im Bereich Umweltschutz, Naturförderung und Information der Bevölkerung, was zum Erhalt einer vielseitigen und gesunden naturnahen Umgebung hoffentlich beiträgt.

Besten Dank allen Beteiligten für die Vorbereitung des Standes und der engagierten Mitarbeit, was schliesslich zu einem sehr gelungenen Auftritt führte. Unser Dank gilt insbesondes auch den vielen Standbesuchern und ihrem Interesse am Thema Natur und dem NVM.

Bericht und Bilder: Erich Lang

Wie wird mein Garten lebendiger? Wie gestalte ich meinen Garten für Schmetterlinge, Wildbienen, Vögel, Igel & Co.?

Bericht zum Infoabend und Präsentation von Gärten mit Kaspar Pfister (Gärtner EFZ und Natur- und Umweltfachmann FA, naturgartenleben GmbH, Münchenbuchsee) am 1. April 2019 im Kirchgemeindehaus Münchenbuchsee.

Kaspar Pfister erklärte auf spannende und lebendige Art den beinahe 70 anwesenden Personen, was für ihn die Definition eines Garten ist und wie die Gestaltung und Ökologie mit einander vernetzt sind. Ein abgegrenztes Stück Land, das Pflanzen und Tiere enthält und durch den Menschen genutzt wird.

Also weder ein Naturschutzgebiet noch ein Wohnzimmer noch ein Acker. Aber es kann als der Schnittpunkt dieser drei Gebiete betrachtet werden. In einer Serie von inspirierenden Gartenbildern konnte das Zusammenspiel von Gestaltung, Nutzen und Ökologie mit seiner Dynamik aufgezeigt werden. Wenn diese Lebendigkeit im Garten vom Besitzer zugelassen wird und z.B. auch Laub liegen gelassen wird, entstehen schöne Gartenbilder aber gleichzeitig Verstecke für Tiere wie Igel und Vögel, die zugleich Nahrung unter dem Laub finden. Mit einer Holzbeige können optische Akzente gesetzt werde, damit verbunden auch Schlupfwinkel für Wildbienen und andere Tiere. Der Garten ist ein komplexes und sensibles Ökosystem, das mit der Zeit selbstregulierend ins Gleichgewicht kommt. Der menschliche Eingriff ist dabei erwünscht, der Aufwand kann aber auch im Mass gehalten werden und ein pflegeleichter Garten entstehen, in dem der Besitzer sich wohl fühlt. Statt Blattläuse mit Chemie zu spritzen helfen Marienkäfer und Wespen, so kann auf natürliche Bekämpfung gesetzt werden. Wenn Lebensräume für diese Helfer geschaffen werden können Sie im Gegenzug von deren Nutzen profitieren. Schnecke, die bereits ab Mai unter ausgelegten Brettern ein gesammelt werden und das Giessen am Morgen helfen diese unter Kontrolle zu halten und wenn noch ein Igel im Garten haust, dann hilft auch der bei der weiteren Reduktion dieser Schädlinge.

Einige der wichtigsten Tipps für einen naturnah gestalteten Garten:

  • Ÿ  Vielfältige Bäume, Sträucher und Pflanzen, die mit Ihrem Nektar, den Samen und Früchten Nahrung für Mensch und Tier (z.B. schwarzer Holunder) bieten, aber auch farbliche und gestalterische Akzente in den Garten bringen.
  • Ÿ  Eine offene, sandige besonnte Stelle im Garten bietet Ruderalplanzen wie dem violett-hellblau blühendem Natternkopf aber auch Boden bewohnenden Wildbienen einen wichtigen Lebensraum.
  • Ÿ  Asthaufen: Dicke und dünne Äste mit trockenem Laub vermischt in einer Gartenecke dienen als Unterschlupf für Reptilien oder sogar als Winterquartier für den Igel.
  • Ÿ  Steinhaufen: frostsicher, d.h. 50-80 cm tief, ideal mit flachen Steinen geschichtet, sonnig gelegen und mit Hohlräumen versehen, dient ein Steinhaufen Kleinschmetterlingen aber auch Amphibien und Reptilien als Heim
  • Ÿ  Im Winter stehen gelassene Samenstauden dienen Vögeln als Nahrung. Karden und weitere stehende Markstängel sind für Wildbienen wertvoll.
  • Ÿ  Kopfweiden, die Sie vom NVM erhalten können, haben einen sehr hohen ökologischen Wert und sind für viele Bienen die erste Nahrung im Jahr. Alternierend in jedem 2. Jahr geschnitten, blüht immer eine von zwei Weiden. Geeignet sind schmalblättrige Weiden mit anliegenden Knospen. Darin verstecken sich auch viele weiter Käfer (z.B. der prächtige Moschusbock), die dann wieder als Nahrung für Vögel dienen können.
  • Ÿ  Eine Trockenmauer, ohne Mörtel in den Fugen, ist ein schönes Stilelement im Garten, schafft aber auch Lebensraum ähnlich wie ein Steinhaufen.
  • Ÿ  Teiche und Wasserstellen sind wertvoll im Garten und bringen ein erfrischendes Element dazu. Am besten ohne Fische, da diese den Laich von Fröschen und Larven von z.B. Libellen fressen und so die Vielfalt und den Nutzen des Teiches schmälern. Aufkommende Algen sind wieder eine Nahrungsgrundlage. Ein Teich wird am Besten im September-Oktober gesäubert. Um den darin vorkommenden Lebewesen, die Rückkehr in den Teich wieder zu ermöglichen, sollte das Material 1-2 Tage neben dem Weiher liegen gelassen werden. Zu beachten ist auch, dass Libellen Ihre Eier auf die Unterseite von Blättern am Weiher legen.
  • Ÿ  Mit der bereits erwähnten Holzbeige, aber besonders auch mit stehendem Totholz, kann ein weiteres Element zur Förderung der Natur, aber auch zur spannenden Gestaltung des Gartens erstellt werden.
  • Ÿ  Für Vögel wie die Amsel, die Ihr Nest gerne in Sträuchern baut, kann mit dem Quirl-Schnitt vom Schwarzdorn ein guter Schutz gegen die oft zahlreichen Nesträuber wie Katzen und Krähen gemacht werden.
  • Ÿ  In privaten Gärten hat Chemie nichts verloren und die Düngung sollte mit eigenem Kompost erfolgen.

Konkrete Tipps zur naturnahen Gartengestaltung und Umsetzung erhalten Sie bei «naturgartenleben».
Ÿnaturgartenleben gmbh mit neuer Homepage auch mit Kursangebot für Private:
radiostrasse 19, 3053 münchenbuchsee 031 911 22 03, Homepage und Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Weitere Tipps und Infos für einen lebendigen Garten können Sie auch hier erhalten. Einige Links dazu:

  • Ÿ  Bioterrra www.bioterra.ch Bioterra ist die führende Organisation für den Bio- und Naturgarten in der Schweiz. Wir setzen uns für den biologischen Anbau ein. Unser Engagement gilt der Förderung und dem Erhalt der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt. (naturgartenleben ist Mitglied von Bioterra)
  • Ÿ  BirdLife Schweiz www.birdlife.ch BirdLife Schweiz ist mit 65'000 Mitgliedern eine der grössten Naturschutzorganisationen der Schweiz. Das Netzwerk vereint 440 lokale Naturschutzvereine, 18 Kantonalverbände und zwei Landesorganisationen. Der NVM ist Mitglied von BirdLife Schweiz.
  • Ÿ  Floretia: Wie finde ich die passende Pflanze für meinen Naturgarten? Passend zu «Mission B» von SRF, RSI, RTR und RTS wurde der Verein Floretia ins Leben gerufen. Floretias Ziel ist, dass es allen Menschen, ungeachtet ihres Vorwissens und ihres Budgets, möglich ist, eine naturnahe Fläche zu schaffen.: www.floretia.ch
  • Ÿ  www.wildbee.ch wildBee.ch setzt sich für den Schutz der Wildbienen und ihrer Lebensräume ein.
  • Ÿ  Andermatt Biogarten hat schweizweit das grösste Sortiment für den biologischen und naturnahen Pflanzenschutz in den Bereichen Garten, Balkon und Haushalt. www.biogarten.ch
  • Ÿ  Ein Video zum Thema

Der NVM bedankt sich bei Kaspar Pfister für den kompetenten und inspirierenden Vortrag. Der NVM steht Ihnen gerne für weitere Infos zur Verfügung und kann Ihnen auch Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse verkaufen.

Bericht und Bilder: Erich Lang

Exkursion Fraubrunnenmoos

Wir haben in der folgenden Reihenfolge 28 Vogelarten beobachtet: Goldammer, Star, Mönchsgrasmücke, Bachstelze, Feldlerche, Braunkehlchen, Buchfink, Rotmilan, Mäusebussard, Schwarzmilan, Turmfalke, Stockente, Rabenkrähe, Rauchschwalbe, Dorngrasmücke, Distelfink, Blaumeise, Kohlmeise, Hausrotschwanz, Ringeltaube, Kiebitz, Grünschenkel, Flussregenpfeifer, Blässhuhn, Bruchwasserläufer, Dohle, Schafstelze, Kuckuck, Hänfling.

Beim Schwimmbad begrüsst unser Co-Präsident Erich Lang bei leichtem Regen und kaltem Wind pünktlich fünf Frauen, den Schreibenden und den Exkursionsleiter Samuel Bachmann. Später gesellt sich Pascal König mit Frau und ihren zwei Kleinkindern dazu. Gemütlich folgen wir, Vögel beobachtend, dem Lauf der Urtenen bis zu unserm Ziel, dem Biotop der Kiebitze. Schon auf dem Weg zum Schwimmbad beobachten wir Biberspuren, zugespitzte Baumstrünke, später eine beachtliche Stauung sowie ein Biberwarnschild für Motorfahrer. In der weiten Ebene fruchtbaren Ackerlandes sind die Badeanlage und der Bach mit seiner vielfältigen Uferbestockung die einzige ökologische Infrastruktur. In diesem Lebensraum können wir 14 Vogelarten beobachten. Goldammer und Braunkehlchen präsentieren sich uns in ihrer ganzen Schönheit. Dass wir nur zwei Feldlerchen beobachten, ist enttäuschend. Über dem Wald an der Ostseite der Ebene entdecken wir mehrere Greifvögel. Im Bereich der Scheune beim Kiebitzbiotop herrscht reges Vogelleben. Die Scheune beherbergt Schleiereule und Turmfalke. Vom Beobachtungswall aus zählen wir etwa ein Dutzend Kiebitze. Balz ist angesagt. Samuel gefällt nicht, dass keine Kiebitze brüten. Die erste Brut fiel wohl Nesträubern zum Opfer: Marder, Fuchs, Iltis, Krähe oder Greifvögel.
Seit alters her ist das Fraubrunnenmoos Kiebitzland. Dem Bewirtschafter des Biotops ist das Gedeihen der Kiebitze seit langem ein Anliegen. 2007 gelang es Samuel Bachmann mit Unterstützung der ALA, von Kanton, Gemeinde, Vogelschutzvereinen und des Landwirts das Biotop mit Weihern, Brachflächen und einem Elektrozaun zu schaffen. Kosten: ca. 70 000 Fr. Der NVM steuerte 2000 Fr. bei. Vor wenigen Jahren vergrösserte die ALA das Biotop und kaufte eine Fläche von etwa 3 ha. Momentan läuft das Verfahren zur Schaffung eines kantonalen Naturschutzgebiets.

Bericht: Felix Winkenbach       Bilder: Erich Lang

Meinen Bach erforschen!

Der NVM hat im Rahmen der Ferienaktivitäten 2019 des Jugendwerkes unter Führung der Biologin Susanne Steiner, von Aqua Viva und mit Unterstützung von Maria Klopfenstein (NVM) diesen tollen Nachmittag organisiert.

Am ersten Montag in den Frühlingsferien stehen neun Kinder in Gummistiefeln und Regenhosen – ganz unpassend zum schönen Wetter – vor dem Coop Münchenbuchsee. Genau die richtige Garderobe, um als Wasserforscher den nahegelegenen Dorf Bach am Lindenweg zu erkunden.

Schon auf dem Weg dorthin, fällt auf, dass die Strasse «Am Bach» heisst. Die Kinder sind sich aber einig: «hier wollen wir den Bach nicht untersuchen». Er fliesst in Betonhalbschalen und sieht nicht spannend aus. Für die Wassertiere viel dramatischer als für uns, bietet er hier auch wirklich kaum Lebensräume. Nach einem Rückhaltebecken verschwindet der Bach gar in einer grossen Röhre (oder besser gesagt, er kommt aus einer grossen Röhre, wir sind ja Bachaufwärts unterwegs!).

Nach dem Überqueren der Strasse kommt er zum Glück wieder zum Vorschein, und zwar schöner als bis anhin. Ein recht natürlich anmutendes Gerinne, mit einem Ufersaum aus Gehölzen und Stauden.

Der Bach schliesst auf der einen Seite direkt an Privatgärten, zu denen offenbar das Land bis zur Bachmitte gehört. Auf der anderen Seite ist ein sehr schmaler Uferstreifen und ein Spazierweg mit Kalkkieseln, danach eine landwirtschaftliche Weide.

Auch den kleineren Kindern ist klar, wir sind nicht in der freien Natur. Nichts desto trotz erfüllt dieser Dorf Bach hier eine sehr wichtige ökologische Funktion und vernetze Lebensräume. Was wohl in diesem Bach für Tiere leben?

Nun müssen die jungen Wasserforscher*innen anhand von Bildern und Beschreibungen erst einmal die Tiere kennen lernen, die im Bach vorkommen könnten. Eine erste Annährerung an das Wasser geschieht dann auch ganz „tierisch“. Zuerst das Wasser berühren wie ein Wasserläufer – die Kinder spüren dabei die Oberflächenspannung des Wassers – dann auf dem Wasser treiben wie ein Blatt und zuletzt in die Fluten stürzen wie eine Wasserspitzmaus auf Fischfang.

Kurz darauf gibt es eine Einführung, wie sachgerecht nach Eintagsfliegen & co. gesucht wird, ohne die Tiere zu schädigen. Ein weisses Becken, ein Pinsel und ein Küchensieb genügen dazu. Die meisten Tiere verstecken sich wegen der Strömung unter den Steinen. Das Sieb wird also Bachabwärts vom Stein ins Wasser gehalten, der Stein wird aufgehoben und anschliessend noch verbleibende Tiere mit einem Pinsel sanft in das wassergefüllte Becken befördert. Auch im Netz wird nach den Tieren gesucht, die sich nicht erfolgreich festhalten konnten. So erhalten wir schnell ein ganzes Sammelsurium an Kleintieren.

Mit einer vereinfachten Bestimmungshilfe werden Köcherfliegen von Bachflohkrebsen und Eintagsfliegenlarven von Schlammröhrenwürmern getrennt und in Becherlupen untersucht.

Die Kinder lernen, dass es auch Köcherfliegenarten ohne Köcher gibt, dass die Bachflohkrebse meistens im Zweierpack herumschwimmen, da das Männchen für die Paarung warten muss, bis sich das Weibchen häutet und dass Eintagsfliegenlarven ein gutes Zeichen für die Wasserqualität sind.

Die Zusammensetzung und Anzahl der Kleinlebewesen der Bachsohle lässt auf eine mässige Belastung des Gewässers schliessen, was für einen Dorf Bach im Mittelland normal ist.

Als Höhepunkt dürfen wir noch die Bergmolche und Kaulquappen von Erdkröten und Grasfröschen im Schwimmteich eines Bachanwohners bewundern. Auch diese sind auf die Erhaltung von naturnahen Feuchtgebieten und vernetzte Lebensräume angewiesen.

Bericht: Susanne Steiner (Aqua Viva)

Aqua Viva – die nationale Gewässerschutzorganisation. Wir setzten uns landesweit für den Schutz und die Aufwertung von Gewässern, Auen und Moorlandschaften ein. Der Einsatz findet bei der Mitarbeit in Projekten, anhand von juristischer und politischer Arbeit sowie in der Umweltbildung statt. Aqua Viva wird weitgehend von ihren Mitgliedern und Spendern getragen.www.aquaviva.ch

Bilder: Susanne Steiner, Maria Klopfenstein, Erich Lang

Bericht zum Bildervortrag: Amphibien um Münchenbuchsee

Am 29.Oktober 2018 besuchten trotz garstigem Herbstwetter über 60 Personen den Vortrag, darunter auch Gäste aus Nachbarvereinen.

Sarah Althaus, diplomierte Biologin der KARCH (Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz) führte uns mit einem Bildervortrag und viel Fachwissen durch den Abend.

Amphibien leben sowohl im Wasser wie auch an Land. Das Winterversteck ist frostgeschützt z.B. unter Laub im Wald. Im Februar ab ca. 6 Grad laichen die Grasfrösche bereits im Wasser. Männchen mit weisser Kehle und Weibchen mit dunkler Kehle begeben sich teils im Huckepack zu den bis zu 2km entfernten Teichen. Dort legen die Weibchen Laichballen (Gallerte + Froscheier) mit bis zu 1‘000 Eiern. Aus den Eiern entstehen Kaulquappen (Rossnägel), die den Laichballen verlassen und frei im Wasser schwimmen. Zuerst fressen sie die Überreste der Gallerte, dann Algen. In der letzten Phase der Metamorphose nach ca. 1-3 Monaten werden sie zum Fleischfresser. Die kleinen Frösche verlassen schwarmweise, als sogenannter Froschregen, das Wasser und begeben sich an feuchte Stellen auf dem Land.

Die Erdkröte ist plump und kann bis 25 Jahre alt werden. Sie hat eine Drüse am Kopf, ist warzig und hat eine goldene und waagrechte Iris. Die Weibchen sind stumm und deutlich grösser als die Männchen. Weibchen besitzen keine Schallblase und können deshalb nicht quaken. Es gibt bei den Kröten häufig viel mehr Männchen als Weibchen. (Grund?) 5-10x mehr Männchen sind keine Seltenheit. Die Weibchen legen Laichschnüre mit bis zu 3‘000 Eiern.

Der Bergmolch wechselt seine Farbe während der Paarungszeit. Die Männchen bekommen einen markanten orangen Bauch und eine intensive Blaufärbung auf dem Rücken. Die Paarung erfolgt im Wasser. Anschliessend klebt das Weibchen bis maximal 250 Eier einzeln an Wasserpflanzen. Bergmolche kommen bis gegen 2‘000 m ü. M. vor.

Der Fadenmolch ist weniger häufig und kommt bis ca. 1‘000 m ü. M. vor. Er ist beige, er hat am Körperende einen Faden und Schwimmhäute an den Füssen. Er lebt in den Auen der Region Thun/Bern.

Die Wasserfrösche sind grün und sind ab April aktiv. Die Männchen quaken mit ihren 2 Schallblasen sehr laut. Es gibt verschiedene Vertreter: der kleine Wasserfrosch, der Teichfrosch, sowie der grosse Seefrosch, der wegen seiner Schenkel zu Zuchtzwecken eingeschleppt wurde.

Der Feuersalamander, mit seinen unverkennbaren gelben Flecken auf dem schwarzen Körper, kommt im April/Mai aus seinem Laub-Versteck. Das Weibchen gebärt vollentwickelte, lebende Larven in die flache Randzone von Bächen. Der Feuersalamander ist eine gefährdete Amphibienart.

Die Gelbbauchunke, mit lehmbraunem warzigem Rücken und gelb-schwarzem Muster am Bauch, ist ebenfalls stark gefährdet. Sie ist nur noch an der Sense und am Schwarzwasser, so wie in Pfützen im Waldgebiet von Rapperswil-Fraubrunnen zu finden. Die Standorte in der Schweiz haben sich von 1977 bis 2008 um dramatische 65% reduziert. Eine gewisse Dynamik im Gelände, Karrgleise auf Feldwegen und Wurzelteller im Wald sind wichtig für ihr Überleben.

Das Kreuzkrötenmännchen erzeugt seinen lauten Ruf mit Hilfe der grossen Schallblase. Kreuzkröten haben kurze Beine und sind selten geworden. Der Bestand hat wegen Zerstörung des Lebensraumes um 63% abgenommen. Diese Pionierart legt Ihre Laichschnüre in flache Gewässer. Nach nur einem Monat ist die Metamorphose vom Ei zur Kaulquappe beendet. Eine kleine Kröte verlässt das Wasser. Bei uns im Flachland sind Kreuzkröten meist nur noch in Kiesgruben zu finden.

Als Schutz bei der Amphibienwanderung im Frühjahr bieten sich Plastikzäune entlang der Strassen oder Tunnels an, sowie die direkte Rettung durch Helfer. Die grösste Gefahr geht jedoch von der Zerstörung der natürlichen Lebensräume aus: isolierte Flächen, Fallen wie zum Beispiel hohe Randsteine und Schächte, sowie ausgesetzte Fische in Laichgewässern. Eine weitere Gefahr geht vom Chytridiomykose Pilz und den Rana-Viren aus.

Die dringend nötige Förderung der Amphibien kann durch folgende Massnahmen unterstützt werden:

1.   durch das Sichern der bestehenden Vorkommen und deren Lebensräume

2.   durch spezifische Fördermassnahmen

3.   durch das Vernetzen der Lebensräume untereinander

Amphibien sind geschützt. Einige Arten stehen auf der roten Liste. Es braucht mehr Laichgewässer und eine Vernetzung der Lebensräume. In Gärten kann mit Unterschlupfen und Asthaufen bereits viel für Amphibien gemacht werden.

Der Vortrag wurde bereichert durch verschiedene Beobachtungsprojekte, sowie das Gequake der erwähnten Amphibien aus dem Lautsprecher.

Heidi Löhrmann, Ergänzungen von E. Lang und F. Zopfi

Weitere Informationen zu Amphibien finden Interessierte auf www.karch.ch

Amphibien