Der Botschafter für Biodiversität im Siedlungsgebiet

13. 03. 2017

Der Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung hat eine Nistkasten-Aktion für die Wasseramsel, den Vogel des Jahres 2017, lanciert.


BirdLife Schweiz hat die Wasseramsel zum Vogel des Jahres 2017 ernannt und zwar aus dem Grund, weil dieser Singvogel ein perfekter Botschafter für mehr naturnahe Gewässer auch im Siedlungsraum ist. Er passt zur aktuellen Kampagne von BirdLife Schweiz zum Thema „Biodiversität im Siedlungsraum“, welche dieses Jahr als Schwerpunkt die Gewässer beinhaltet.


Vogel des Jahres 2017: Die Wasseramsel

Die Wasseramsel ist der einzige Singvogel, der schwimmen und tauchen kann, sich aber auch getraut durch einen Wasserfall zu fliegen. Unverhofft stürzt er sich ins Wasser und taucht unter. Bis zu 15 Sekunden kann der Vogel unter Wasser bleiben. Der rund 18 cm grosse braune Vogel mit seinem weissen Latz ist bestens für seinen Lebensraum an Fliessgewässern ausgerüstet. Sein Gefieder aus pelzartigen, kurzen Dunenfedern ist extrem wasserdicht. Damit dem so ist, streicht die Wasseramsel ihr Federkleid mit dem Sekret ihrer Bürzeldrüse ein, die bei ihr viel ausgeprägter ist als bei anderen Singvögeln. Beim Tauchen werden Nase und Ohren mit einer schützenden Haut umschlossen. Die Augen sind so geschaffen, dass sie sowohl über als auch unter Wasser scharf sieht. Dank ihren kräftigen Beinen und Krallen kann sie sich auch bei starker Strömung am Grund festhalten. Die Wasseramsel hat keine Schwimmhäute. Sie bewegt sich im Wasser mit ihren Beinen und Flügeln fort. Ihre Flügel sind relativ kurz, muskulös und abgerundet, damit sie sie sowohl in der Luft wie auch im Wasser einsetzen kann. In geeigneten Gewässern kann sie mit ihren Flügeln und passender Gegenströmung bis in 1.5 m Tiefe tauchen. Sie hat weniger Luft in den Knochen als andere Singvögel, um besser abtauchen zu können. Sie ernährt sich von wasserlebenden Insektenlarven wie Köcherfliegen- und Steinlarven.


Die Wasseramseln leben an fliessenden und unverbauten Bächen und Flüssen mit Abschnitten, wo sie nicht gestört werden, vom Mittelland bis in die Alpen auf 2‘500 m.ü.M. Das Wasser der Fliessgewässer muss sauber und rein an Sauerstoff sein, damit sich eine ausreichende Kleintier-Fauna entwickeln kann, wovon sich die Wasseramsel ernährt. Im Winter, wenn Bäche und Flüsse zugefroren sind, ist dieser Vogel manchmal auch an den Seeufern anzutreffen.

Während der Brutzeit bevorzugt er als Brutplatz Abschnitte, die möglichst nicht gestört werden. Sie bauen in Mauernischen, hinter einem Wasserfall oder unter einer Brücke kugelige Nester aus Moos in der Grösse eines Fussballs mit einem seitlichen Eingang. Bereits im Februar beginnt für diese Vogelart die Balzzeit. Die beiden Partner umtanzen sich mit lautem Gesang. Schon anfangs März legt das Weibchen 5 bis 6 Eier. Die Jungen schlüpfen nach 16 Tagen. Im Nest werden sie von den Eltern weitere 24 Tage versorgt. Ebenfalls werden sie nach dem Ausfliegen noch zirka 2 Wochen betreut. Danach suchen sie sich ihr eigenes Revier.

Wasseramseln sind sehr standorttreu. Haben sie ihr Revier an einem geeigneten zirka 500 Meter langen Bach- oder Flussabschnitt gefunden, verbringen sie mehrere Jahre oder sogar ihr restliches Leben dort.

Nistkasten-Aktion des Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung

Der Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung (NVM) hat über 140 Mitglieder und ist seit mehr als 30 Jahren im Natur- und Vogelschutz in Münchenbuchsee und in der Umgebung aktiv. Heckenpflanzungen und -pflege, Biotop-Betreuung, Amphibienrettung, Neophytenbekämpfung, öffentliche Vorträge und Exkursionen mit Schwerpunkt naturkundlicher Art, Nistkastenbau deren Montage und Betreuung für diverse Vogelarten und Anlässe mit Jugendlichen gehören zu den Hauptaktivitäten des Vereins. Der NVM ist Mitglied des Berner Vogelschutzes (BVS) und des BirdLife Schweiz sowie weiteren Organisationen. Der Verein hilft mit, wertvolle und konkrete Massnahmen zur Biodiversitätsförderung, die insbesondere von BirdLife mit hoher Fachkompetenz initiiert werden, zielgerichtet umzusetzen und zu fördern.

Im Hinblick, dass die Wasseramsel als der Vogel des Jahres 2017 erkoren wurde, wollte der Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung (NVM) auch ein Zeichen setzen und hat die Aktion zur Erstellung und Montage von speziellen Nistkästen für die Wasseramsel lanciert, mit dem Ziel, weitere Nistmöglichkeiten zu schaffen und so zur Weiterentwicklung der Population beizutragen.

Verschiedene Mitglieder haben sich spontan bereit erklärt, bei dieser Aktion mitzuhelfen. Nach vorgängiger Abklärung möglicher Standorte zum Aufhängen der Nistkästen wurden sie beim Chräbsbach in Zollikofen, wo die Wasseramsel bereits heimisch ist, beim Wolibach in Bangerten sowie auch beim renaturierten Mühlebach im Golfpark Moossee montiert. Sie wurden jeweils mit einer speziellen Schraubenkonstruktion unter den Brücken befestigt.

Der Golfpark unterstützt diese Aktion, um so einen weiteren Beitrag zur Naturnähe auf dem artenreichen Gebiet zu leisten. Es wird versucht, dass die Wasseramsel an diesem Standort ein neues Revier bezieht und heimisch wird. Gleichzeitig werden zur Förderung der Naturvielfalt Kopfweiden gepflanzt, welche mit ihrem weichen Holz und der löchrigen Substanz vielen Insekten, Schmetterlingen oder auch Fledermäusen Nahrung und Unterschlupf bieten.

Ziel der aktuellen BirdLife-Kampagne ist es, gemeinsam mehr Natur in die Dörfer und Städte zu bringen, wovon sowohl die Fauna und Flora sowie wir Menschen profitieren können. Hoffen wir, dass die Wasseramsel als Botschafterin und Vogel des Jahres 2017 ihren Beitrag zur Biodiversität im Siedlungsraum leisten wird.

Weitere Informationen über die Aktivitäten des Vereins Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung (NVM) oder BirdLife Schweiz finden Sie unter www.nvm-buchsi.ch und www.birdlife.ch.

Ein Artikel aus dem fraubrunner anzeiger
Text: Karin Balmer
Quellen: BirdLife Schweiz und Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung
Fotos: Michael Gerber, Erich Lang