Frühlingswanderung im Wallis

Der Frühling tat sich dieses Jahr mit seinen extremen Wetterkapriolen besonders schwer. Nach einer aussergewöhnlichen Wärmeperiode mit besonders im Wallis starker Trockenheit folgten in der 2. Aprilhälfte Schnee und Minustemperaturen. In Visp sank die Temperatur am 20. April auf -5.5 Grad, ein Horrorszenario für Walliser Winzer! Hunderte Hektaren sind betroffen, die Ertragseinbussen werden sich auf 300 Millionen beziffern, denn nur wenige Winzer sind gegen Frostschäden versichert.

Trotz frostigen Temperaturaussichten begaben sich 12 unbeirrte NVM-Mitglieder unter kundiger Leitung von Ursula und Stefan Maurer auf den sog. Bischofsweg von Visperterminen nach Staldenried. Und wir hatten an diesem Tag Sonnenschein pur!

Nach gemütlicher Anreise per Bahn und Postauto trafen wir uns im schmucken Walliser Bergdorf Visperterminen am Taleingang des Vispertals auf 1378 mü.M. Die erste Station im Dorf war das rustikale Restaurant „Heida“, wo wir mit Kaffee und feinen Gipfeli verwöhnt wurden.

Heida ist der Walliser Name für den aus der Sorte Salvagninblanc gekelterten Weisswein. Er wird in besonders hohen Lagen im Wallis angebaut, v.a. hier in der Region Visperterminen, wo der höchst gelegene zusammenhängende Weinberg Europas liegt.  Bereits im 16 Jh. wird der Heida in einer Urkunde erwähnt. Heida bedeutet in Walliserdeutsch „alt“ oder „ursprünglich“.

Bevor wir loslegten, genossen wir den phantastischen Ausblick auf das Vispertal, Rhonetal und auf tief verschneiten Gipfel des Aletsch- und Bietschhorns und im Mattertal auf das dominante und mächtige Weisshorn.

Stefan erzählte uns Interessantes über das frühere Leben zwischen Dorf und Alp. Visperterminen diente den Bewohnern und ihren Tieren als Winterquartier, Kornkammer und Lager für Lebensmittel.  Wer nicht mit dem Weinbau beschäftigt war, zog in den Sommermonaten mit ihren Familien und mit dem Vieh auf höhergelegene Alpbetriebe mit saftigen Weiden.

Unterwegs auf dem Höhenweg südwärts erfreuten sich unsere Blumenfreunde an den violetten Kuhschellen auf Magerwiesen, an den blauvioletten und weissen Leberblümchen sowie an der seltenen, rosafarbenen Alpenprimel. Die Blumen wurden eifrig fotografiert, für besonders gelungene, schöne Makrofotos wurden körperliche Verrenkungen und gar bäuchlings liegende Positionen eingenommen.

Auch Tierfreunde wurden nicht enttäuscht. Bei einem kleinen Stall mit Weide wurden wir von Walliser Schwarzhalsziegen mit ihren Zicklein neugierig beäugt. Makroaufnahmen gab es hier allerdings keine. Das Geruchs- und Hornstossrisiko wollte niemand auf sich nehmen.

Weiter führte uns der Weg durch herrliche Arven- und Lärchenwälder und vorbei an Hängen voller Wacholdersträucher. Die stark aromatischen Beeren wurden verköstigt, einige legten gar einen kleinen Vorrat für die Küche zu Hause an. Als traditionelle Anwendung werden Wacholderbeeren zur Appetitanregung und Verdauungsförderung und gegen Blähungen angewendet. Also genau richtig, um auf halbem Weg einen wunderbaren Picknickplatz mit massiven Naturholztischen aufzusuchen und die mitgenommenen Sandwiches zu verdrücken.

Als besondere Überraschung zauberte Ursula den köstlichen Heidawein aus ihrem Rucksack hervor!  Wir genossen zufrieden die gute Stimmung und das schöne Wetter.

Anschliessend wanderten wir einen letzten steilen Hang hoch, unter mildem Alkoholeinfluss fühlten sich die Beine bereits bleischwer an. Zum Glück erreichten wir bald Staldenried, wo im Restaurant „Zer Tannu“ ein fröhlicher Abschlusshöck statt fand.  Hier wurde ein weiterer bekannter Walliser Weisswein, ein Johannisberg (Sylvaner) ausgeschenkt. Gemäss lesvinsduvalais.ch zeichnet sich dieser Wein durch „Nuancen von Kräutertee und einem verführerischen Hintergrund von Frucht- und Mandelaromen“ aus.

Eine Stunde später reisten wir mit der Luftseilbahn talwärts nach Stalden hinunter, und von da aus bequem per Bahn wieder heim.

Die schöne Wanderung, das wider Erwarten angenehm temperierte Wetter und die Stimmung in der Gruppe trugen dazu bei, dass alle zufriedene und glückliche Erinnerungen mit nach Hause nehmen konnten.

Ein besonderer Dank für die gelungene Organisation und für das ‚wein-leibliche‘ Wohl geht an Ursula und Stefan Maurer!

Text: Lisbeth Lobsiger            Bilder: Erich Lang