FRAUBRUNNER-ANZEIGER-ARTIKEL vom 21.08.2017:

Fledermäuse - weder Superhelden noch gefährliche Blutsauger

Über die nachtaktiven Fledermäuse ist oftmals wenig bekannt – doch am 28. Juli konnten sie in Münchenbuchsee als äusserst faszinierende Tiere kennengelernt werden.

Tiere, die Tag und Nacht in unserer Umwelt leben, diese mit uns teilen. Hierbei mögen viele als erstes wohl an Katzen, Hunde, Kühe oder zwitschernde Vögel denken und nicht etwa an Fledermäuse. Bei diesem Stichwort haben einige eher durch die Lüfte fliegende Superhelden oder gefährliche Blutsauger vor Augen, manche mag es wahrlich grausen davor. Doch die Säugetiere sind genauso Teil unseres Lebensraums wie etwa Nachbars Katze und bringen uns zudem auch noch grossen Nutzen. Und doch geraten sie aufgrund ihrer Nachtaktivität oftmals in Vergessenheit - aus den Augen, aus dem Sinn. Der vom Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung (NVM) organisierte Abendspaziergang Ende Juli wirkte dem entgegen und konnte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die faszinierenden Lebewesen auf interessante Weise näherbringen.

Grosses Interesse für die kleinen Tiere
Warm und sonnig war es am Abend des 28. Juli - gute Bedingungen für den Abendspaziergang unter dem Motto "Fledermäuse in Buchsi entdecken". Geleitet wurde die vom NVM ermöglichte Exkursion von Daniela Schmieder, Biologin an der Universität Bern und Mitglied des Fledermausvereins Bern. Das Interesse war gross: Rund 45 Personen versammelten sich vor dem Kirchgemeindehaus Münchenbuchsee. Sonja Bühler aus Münchenbuchsee etwa ist durch eine Ausschreibung im Gemeindeblatt auf die Veranstaltung gestossen. 

Sofort war sie neugierig, wo die Exkursion den hinführen würde und ob dabei auch tatsächlich einige Fledermäuse entdeckt werden könnten - den bis anhin habe sie in der Umgebung noch keine bewusst wahrgenommen. Felix Winkenbach dagegen, er ist einer der Initianten des NVM und heutiger Ehrenpräsident, kann immer wieder Fledermäuse im eigenen Garten bestaunen. Er war also schon zuvor etwas vertraut mit ihnen, freute sich jedoch noch weiteres Neues über die Tiere zu erfahren.

Fledermausexkursion     Fledermausexkursion

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Wissensdurst stillen
So lange es noch hell war und bevor sich die Gruppe in Richtung Golfpark Moossee aufmachte, konnte sie von Daniela Schmieder eine Menge eindrücklicher Fakten rund um die Tiere vernehmen. Gespannt wurde zugehört, viele Fragen die sich stellten beantwortet, die Wissbegierde bis zu diesem Moment befriedigt. Sie erklärte, dass in der Schweiz etwa 30 Fledermaus-Arten leben - eine hohe Anzahl für Europa. Am häufigsten finde man hierzulande die Zwergfledermaus. Die Fledermaus Nahrung besteht primär aus Insekten, auch schädlichen, wodurch die Tiere besonders wertvoll für die Forst- und Landwirtschaft sind. Ihr wichtigster Sinn ist die Echoortung: Sie stossen Ultraschalllaute aus, kurze Töne, die über unserem Hörbereich liegen. Durch Hindernisse oder Insekten werden Echos zurückgeworfen. Dadurch können sie sich ein präzises Bild ihrer Umwelt machen und sich so orientieren oder ihre Beute finden. 

Vom Aussterben bedroht
Fledermäuse sind bedrohte Tiere, die Bestände sind klein. Es gibt immer weniger Nahrung für sie aufgrund der Verarmung der Landschaft und des Rückgangs der Insektenvielfalt. Aber auch neue Techniken oder auch glatte Flächen wie Glasscheiben stellen eine Gefahr dar. Sterben einzelne Fledermäuse, hat dies einen beträchtlichen Einfluss auf deren Population. Dies rührt daher, da sie sich sehr langsam vermehren: Ein Weibchen bringt stets nur ein Junges, selten zwei zur Welt - und dies auch höchstens einmal im Jahr. Die Paarung findet jeweils im Herbst statt. Das Besondere daran ist, dass die Befruchtung erst im Frühling stattfindet. Die trächtigen Weibchen schliessen sich mit anderen zusammen und quartieren sich in sogenannten Wochenstuben ein. Dies ist der Ort, wo die Jungen geboren und anschliessend zusammen aufgezogen werden. Die Biologin erzählt von einer Wochenstube in Schüpfen, die aus über 200 Tieren besteht. In Bulgarien habe sie aber auch schon eine mit Tausenden gesehen.

Die Fledermausrufe hören
Weiter erklärt Daniela Schmieder ein kleines rechteckiges Gerät, ein sogenannter Fledermausdetektor. Damit können die Fledermausrufe im Ultraschallbereich auf bestimmten Frequenzen abgefangen und für unsere Ohren hörbar gemacht werden. Mit mehreren dieser Geräte brach die Gruppe dann auch auf, denn die Dämmerung war bereits ein- und somit die Fledermäuse aufgebrochen. Auf dem Weg zum Golfplatz Moossee in der Nähe des Friedhofs konnten schon sehr bald erste Fledermausrufe ausgemacht werden. Friedhöfe sind meist eher naturbelassen, was den Fledermäusen natürlich lieb ist. Ausserdem befanden sich dort einige Strassenlaternen. Unter deren Lichtschein schwirren oft Insekten umher, was etwa der Zwergfledermaus zum Jagen dient. Anderen Arten hilft das wenig, denn Licht ist gemeinhin unnütz für die Flugtiere. Bezüglich der Fledermausrufe gab es eine grössere Überraschung; die meisten stellten sie sich als Pfeif-Töne vor. Doch durch die Fledermausdetektoren konnte erkannt werden, dass diese vielmehr als eine Art rhythmisches Rattern zu hören sind.

"I ha eini gseh!"
Blicken liess sich jedoch keines der Tiere und so zog die Gruppe weiter, die Ohren gespitzt, den Blick in den dunklen Himmel. Eine Exkursions-Teilnehmerin meinte beinahe enttäuscht: "Die Fledermäuse machen sich aber auch rar." Doch wenn man vom Teufel spricht... Klar und deutlich sind kurz darauf Rufe zu hören. Daniela Schmieder erklärt: "Sie sind jetzt besonders nahe." Die Art und Weise der Rufe verriet, dass gejagt wurde. Es blieb nicht nur bei den Rufen, denn nun zeigten sich die Tiere in der Dunkelheit als vorbeifliegende schwarze Schatten. Immer wieder ertönte ein erfreutes "Da!" oder ein "I ha eini gseh!".

Faszinierende Flugtiere
Um möglicherweise noch weitere dieser fliegenden Säugetiere anzutreffen wurde der Abendspaziergang fortgesetzt, der weiter über den Golfplatz Moossee bis zurück zum Kirchgemeindehaus Münchenbuchsee führen sollte. Die Exkursions-Teilnehmerin Alice Lauper war so weit hellauf begeistert von der Veranstaltung: Wie die Tiere denn genau leben und Junge haben, wie sie sich orientieren, dass sie mitunter die schnellsten Flugtiere sind - alles "faszinierende Tatsachen, über welche einem meist schlicht das Wissen fehlt." Da oftmals genau dieses Wissen fehle, komme häufig ein falsches Bild von den Fledermäusen auf - vielen schaudere es ja vor ihnen, obwohl es doch eigentlich so spannende Lebewesen seien. Sie selbst ist Mitglied des Natur- und Vogelschutz Wohlen BE. Durch diesen Verein konnte sie schon einiges über die Tiere erfahren, und doch an diesem lauen Sommerabend vieles Neues über sie lernen.

Ein voller Erfolg
Die Exkursion kam langsam zu einem Ende. Auf der Route über den Golfplatz Moossee wurde noch einige Male Halt gemacht. Immer wieder fingen die Fledermausdetektoren Rufe ab. Niemand wurde enttäuscht: Wenn auch nicht alle die Fledermäuse gesehen hatten, so konnten sie zumindest reichlich gehört werden. Die Exkursions-Leiterin konnte dabei gar vier verschiedene Arten erkennen. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Diese ausgewogene Mischung zwischen Wissen und Erleben kam bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern äusserst gut an. Schlussendlich ist festzuhalten: Fledermäuse saugen weder Blut, noch retten sie die Bürger vor Bösewichten. Vielmehr sind sie ein wichtiger Teil unserer Umwelt, welchem etwas mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Vielleicht entdecken ja auch Sie bei einem nächsten abendlichen Spaziergang eines dieser nicht zu unterschätzenden Flugtiere, während es durch die Lüfte zieht?

Ein Artikel aus dem fraubrunner anzeiger
Text und Fotos: Rebekka Christen

Bilder der Diashow: Erich Lang