Exkursion Wengimoos

mit Daniel Friedli (Verantwortlicher Wengimoos Berner Ala und NVM Mitglied)

Bei der Käserei in Wengi traf sich eine Gruppe Frühaufsteher um gut 06.30 Uhr bei bestem Wetter zur Exkursion mit Daniel Friedli ins Wengimoos.

Das Wengimoos ist ein Flachmoor von nationaler Bedeutung und weist eine Fläche von 33 ha auf, wovon 15 ha im Besitz der Berner Ala sind. Die Torfstichlandschaft im Limpachtal mit vielen kleinen Teichen und reicher Fauna und Flora ist das drittwichtigste Gebiet für Libellen im Kanton Bern. Es wurden bisher 28 Libellen Arten nachgewiesen. Dies dank der Vielfalt an verschiedenen Gewässertypen. Die Nachkommen von Louis Gasser Besitzer der Ziegelei Rapperswil veräusserten 4 ha Land an die Ala und so trägt das Gebiet auch den Zusatznamen Louis Gasser Reservat.

Als Überwinterungsgebiet ist das Gebiet sehr wichtig z.B. für die Bekassine, Zwergschnepfe und Raubwürger, der in der Schweiz als Brutvogel ausgestorben ist.

Daniel Friedli betreut das Wengimoos seit 1983 und seither konnten markante Erweiterungen und wichtige konzeptionelle Anpassungen umgesetzt werden. Möglichst vielseitige Strukturen zu haben ist das Ziel der Al, d.h. Wasser in tiefen, flachen, grossen und kleinen Teichen, Fliessgewässer, vielfältige Hecken, Gebüsche und Wiesen. Das umliegende Land wird, wo es der Ala gehört von Pächtern extensiv bewirtschaftet. Es gibt aber noch immer etliche Parzellen, wo intensiv angebaut wird und keine, eigentlich gesetzlich vorgeschriebene Pufferzonen vorhanden sind, weil der Kanton Bern die sonst fälligen Beiträge an die Landwirte nicht aufbringen kann. Erfreulich sind aber auch tolle Hecken, die aus privater Initiative gepflanzt wurden. Eine Hecke mit gezielt aus gewählten Sträuchern und guter selektiver Pflege bringt viel Leben ins Gebiet. So ist der Neuntöter an verschiedenen Orten zu sehen und am Brüten. Wenn Überfluss an Insekten herrscht sticht er diese an Dornen auf und greift auf diesen Notvorrat zurück, falls ein Kälteeinbruch die Insekten als seine einzige Nahrung zum verschwinden bringt.  Der Neuntöter ist der einzige Zugvogel im Wengimoos der über die Ostroute in sein Winterquartier in Afrika fliegt. Auch der Dorngrasmücke, Schwarz- und Braunkehlchen, bringen solche Hecken viel nötigen Lebensraum. Die kanarienvogelgelbe Goldammer sahen wir auf einem hohen Baum. Diese liebt aber die Heckenstruktur ebenfalls. Sie ist mit gut 20 Brutpaaren zusammen mit dem Teichrohrsänger die häufigste Brutvogelart im Wengimoos. Der Teichrohrsänger beansprucht kleine Reviere und erreicht dadurch eine recht hohe Dichte.

Den Kuckuck hörten wir schon von weitem rufen. Er kommt in der Schweiz leider fast nur noch in Naturschutzgebieten vor, und da wo er vorhanden ist, ist dies ein Qualitätsmerkmal. Denn wo er auftritt braucht es viele Raupen als Nahrung und viele andere Vögel, damit er seine Eier in deren Nester legen kann.

Der Sumpfrohrsänger ist ein begnadeter Sänger und er kann bis zu 70 Vogelstimmen z.B. auch die Nachtigall imitieren. Besonders wenn er im Frühjahr aus dem Winterquartier wieder eintrifft sind Vogelstimmen zu hören, die bei uns gar nicht vorkommen. Hat er aber ein Gelege errichtet sinkt die Singfreude. Er baut sein Nest in Überganszonen vom Schilf zum Gras aufgehängt z.B. an Brennnesseln.

Der Teichrohrsänger mit seiner kratzigen Melodie, baut sein Nest auch hängend, aber im Schilf. Den dritten, und den grössten der Rohrsänger, den Drosselrohrsänger konnten wir auch sehen. Von einem Punkt aus war es uns vergönnt die 3 Rohrsänger alle zusammen zu hören und zu sehen. Daneben war auch die sehr seltene Zwergdommel beim Brüten mit Ihrem „Hu-u“ zu hören. Diese profitiert vom grösserem offenen Teich und der abgetragenen Insel.

Dank der vertieften Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wengi wird nun ein Weg der mitten durchs Naturschutzgebiet führt temporär bis Mitte Juni gesperrt. Bisher war kein Punkt im Rechteck, welches das Wengimoos bildet, mehr als 150 m von einem Weg entfernt, was für störungsanfällige Arten zu nah ist. Dank der neuen Besucherlenkung und der damit verbundenen Ruhe sind mehr Rehe, Graureiher und weitere Tiere vor Ort. Sogar die Rohrweihe hat schon einen ersten, allerdings erfolglosen Brutversuch gemacht. Der Schwarzmilan hat seinen Horst gut versteckt in einem Baum bezogen. Ein Altvogel und ein flauschiger Jungvogel waren darin zu sehen, bewacht vom zweiten Elternteil auf einem abgestorbenen Baum. Der Schwarzmilan hat einen weniger gegabelten Schwanz als der Rotmilan und bevorzugt Nassgebiete. Der vorbeifliegende Rotmilan, mit einer Mauserlücke am Flügel bevorzugt Wald, und dessen Ränder. 

Im Tal der 1'000 Lerchen, wie das Limpachtal auch genannt wird, ist der Feldlerchen Bestand in den letzten Jahren deutlich gesunken. Wir konnten trotzdem an einigen Stellen die sich kreisend in die Höhe singenden Feldlerchen beobachten, ehe Sie sich wieder gegen den Boden fallen liessen. Diese Bodenbrüter haben immer mehr Mühe lückige Wiesen für Ihr Nest und das Aufbringen Ihrer Jungen zu finden. Am ehesten sind die Ränder von Kulturen noch mögliche Niststellen. Diese werden kaum von Traktoren befahren und so die Brut auch nicht zerdrückt.

Ein von der Ala neu übernommenes Gebiet wurde um gut 40 cm abgesenkt und der Boden damit von Nährstoffen befreit und mit Teichen unterschiedlicher Art versehen. Dort waren viele Frösche zu hören und auch die Rauchschwalben waren über dem Gebiet auf Fluginsektenfang.

Aus dem nahen Wald an der Nordseite kommen oft Sperber, Habicht, Eichelhäher und weitere Vögel auf Besuch ins Moos. Es herrscht eine Vielfalt in vielerlei Hinsicht.

Damit diese Vielfalt bestehen bleibt oder noch vergrössert wird, braucht das Gebiet ein fachgerechtes Pflegekonzept, das gut und fachmännisch umgesetzt wird.

Als Beispiel das Heckenpflegekonzept damit Vielfalt in verschiedener Beziehung herrscht:

  1. Selektion und Pflanzung mehr oder weniger Dornen reicher Heckenpflanzen. Kein Hartriegel, weil dieser zum dominant wird.
  2. Heckenabschnitte nicht gleich hoch. Im Pflegejahr einzelne Pflanzen ganz stehen lassen andere ganz zurückschneiden.
  3. Nicht jeder Heckenabschnitt ist gleich. Ca. 1/3 der Hecke wird pro Jahr geschnitten. Alles Schnittgut aus der Hecke gebracht, eingekürzt und sämtliches Schnittgut wieder kompakt in die Hecke eingebracht. Dies dient als Unterschlupf für Kleinsäuger und Insekten. So können keine Katzen darin jagen. Je ein weiterer Drittel wird in den Folgejahren selektiv geschnitten oder dann auch 1 oder bis 2 Jahre stehen gelassen. Selektive Förderung, respektive Rückschnitt stark wachsender Pflanzen ist wichtig dabei.

Für Interessierte ist das Wengimoos ein lohnendes Ausflugziel und mit dem Bus ab dem Bahnhof Münchenbuchsee Richtung Büren an der Aare immer mit Abfahrt um 15 Minuten nach der vollen Stunde in gut 15 Minuten einfach erreichbar. Rückfahrt ab der Käserei Wengi Richtung Buchsi ist immer zu vollen Stunde.

Herzlichen Dank für die kompetente Führung an Daniel Friedli, der auf die zahlreichen Fragen kompetent einging und uns einen interessanten Morgen bescherte.

Text: Erich Lang, Co-Präsident NVM