Was blüht denn da?

Pflanzliche Abendexkursion mit Felix Winkenbach  (Dr. sc. nat. und  NVM Ehrenpräsident) und Hans-Ueli Stucki (Naturpflanzenzucht und NVM Mitglied)

Beim Schulhaus Paul Klee trifft sich am Montag, den 4. Juni 2018 eine Gruppe botanisch Interessierter trotz tief hängender Wolken über Buchsi zur Exkursion mit Felix Winkenbach und Hans-Ueli Stucki.

Schon vor über 30 Jahren hat Felix seine erste Exkursion gestartet und auch heute hat er wieder Erfolg mit seinen Ausführungen. An den Niststellen der Mauersegler auf der Rückseite des Schulhauses können wir diesmal keine Vögel beobachten. - Eine Idee steht im Raum: Zusammen mit dem Schulhausabwart die Niststellen der Mauersegler am Paul-Klee Schulhaus für die Beobachtung durch Schüler zugänglich machen. Wer möchte diese Idee weiter entwickeln und umsetzen?

Auf dem Weg zum Lindehus bei der Post sehen wir bereits die ersten blühenden invasiven Neophyten, das Einjährige Berufkraut. Dagegen wurde beim Spielplatz des Schulhauses der letze Woche schön blühende Scharfe Mauerpfeffer unnötigerweise ausgerissen. Im schönen Bauerngarten des alten Lindenhauses blühen einige Pflanzen, wobei man auch sieht, dass gewisse zu dominant werden, wenn die Pflege nicht darauf abgestimmt ist. Die Rote Spornblume blüht schön, dürfte aber gemäss Felix bald als invasiver Neophyt eingestuft werden.

Über die Strasse ist eine prächtig gestaltete Heuwiese um die Häusergruppe zu bestaunen. Das warme Wetter lässt die Wiesen in diesem Jahr fast um 2 Wochen früher blühen als normal. Hier sehen wir unter anderem: Wiesen-Flockenblume, Zaunwicke, Scharfer Hahnenfuss, Wiesenmargerite und eine schöne einheimische Liguster Hecke in Vollblüte. Aber auch hier blüht das Einjährige Berufkraut mitten in der Wiese. Dieses ist auszureissen und vertrocknen zu lassen, damit es sich nicht weiter vermehren kann.

Beim Kreisel bei der GFM-Brocki hat Hans-Ueli Stucki in Absprache mit der Gemeinde kleine Flächen mit Naturblumen bepflanzt. Bunt und farbig blüht da in weinrot die Wilde Malve (auch Chäslichrut genannt - wegen seiner an einen Käselaib erinnernden Früchte), die hellblaue Wegwarte, das Fingerkraut mit seinen 5 Teilblättern, die einer Hand gleichen.

An der Schmiedegasse auf einer ehemaligen Pferdekoppel befindet sich der Schmetterlingsgarten, der von Hans-Ueli Stucki geplant und unter Mithilfe von NVM-Mitgliedern gepflanzt wurde und weiter unterhalten wird. Dieser Garten ist weiterhin schön am Blühen. Einige Arten, die im Schmetterlingsgarten und zum Teil sonst an der Schmiedegasse vorkommen, sind Skabiosen-Flockenblume, Wiesensalbei, Witwenblume, Klatschnelke, Gemeines Leimkraut (auch Chlöpferli genannt, da sich Ihre Blüten unter einem kleinem „Chlapf“ zerplatzen lassen), Rainfarn, Aufrechtes Fingerkraut, Hornklee, Gelber Honigklee, Königskerze, Moschusmalve und Knoblauchhederich. Diese Pflanzen ziehen viele Fluginsekten an und sind die Wirtspflanzen für die Raupen von zahlreichen Schmetterlingsarten, wie uns Hans-Ueli erklärt. Hans-Ueli zieht in seinem Garten gleich vis-à-vis selber zahlreiche Pflanzen in Töpfen. Nebst dem Gemüse für den Hausgebrauch hat er ein wahres Garten-Ökoparadies geschaffen. 

Der ab und zu einsetzende Regen stört die interessierten Teilnehmer nur wenig und der junge Cocker Spaniel von Selina geniesst es, unter dem Regenschutz im Warmen getragen zu werden. Weiter geht es Richtung Hirzenfeld, wo wir die grosse Ulme mit Sitzbank bestaunen, die zum Glück dem grossen allgemeinen Ulmensterben widerstehen konnte.

Oberhalb des Fussballfeldes hat Kurt Stettler mit finanzieller Unterstützung der KOFU eine 60-70 Aren grosse Blumenwiese mit Einsaaten aus drei verschiedenen Herkünften erstellt. Die Saatstreifen sind jeweils ca. 10 Meter breit. Wobei der oberste und magerste Streifen die grösste Vielfalt an bunten Wiesenblumen aufweist. Felix erklärt uns den Unterschied zwischen Wiesen- und Skabiosen-Flockenblume sowie zwischen Witwenblume und Skabiose. Gleich unterhalb dieser prächtigen Wiese liegt die Hecke, die von Felix vor 3 Jahren geplant wurde und die der NVM zusammen mit Kurt Stettler gepflanzt hat. Einige Rosen sind am Blühen, andere Pflanzen sind noch eher klein. In der Nachbarschaft steht im Fuchsenloch die alte Hecke mit grossen und für die Naturvielfalt wichtigen Eichen. Anschliessend folgt eine gut 10-jährige Hecke an der Südseite des Fussballplatzes. So ist die Gegend unterdessen ums Hirzi ökologisch wertvoll, insbesondere, wenn hoffentlich in Zukunft die grossen Hecken im Hirzi wieder naturnäher gepflegt werden und zum Blühen kommen.

Weiter geht es in Richtung der beiden grossen Rückhaltebecken, wo das Regenwasser von Hasi Strahms Hofdach eingeleitet wird. Die beiden Teiche werden von Amphibien zum Laichen benutzt und auch Libellen gibt es.
Zu Gast bei Hasi Strahm‘s Hasihof beobachten wir das rege Treiben der seit letzten Sommer brütenden Mehlschwalben in den montierten Nestern. Im Stallinnern brüten auch Rauchschwalben. Hasi freut sich sehr an diesen Fluggästen, da er und besonders auch seine Aubrac Rinder nun bedeutend weniger von Fliegen und Mücken gestört werden und dies, ohne Insektizide einzusetzen.

Hasi überrascht uns mit einer äusserst grosszügigen Aperoplatte und Getränken dazu. Wir erfahren von ihm viel Interessantes über seinen Hof und seine Art biologisch zu wirtschaften. Er erzielt damit schöne Erträge auf den Weizenfeldern. Dies ohne Einsatz von Spritzmitteln und mit weniger Erosionsgefahr für die Humusschicht bei starkem Regenwetter, wie in den letzten Tagen in der Nähe geschehen. Seine widerstandsfähigen, Horn tragenden Rinder haben genügend Platz und brauchen kein Mastfutter. Durch die natürliche Haltung entstehen kaum Kosten für Medikamente und Tierarzt. Zudem ist das sehr naturnah produzierte Fleisch ein wahrer Genuss.

Herzlichen Dank für die kompetente Führung an Felix Winkenbach und Hans-Ueli Stucki sowie natürlich an Hasi Strahm für seine Erklärungen und den grosszügigen Apero, für den wir mit zwei Rauchschwalbenestern danken konnten. 

Text und Bilder: Erich Lang, Co-Präsident NVM