Bericht zum Bildervortrag: Amphibien um Münchenbuchsee

Am 29.Oktober 2018 besuchten trotz garstigem Herbstwetter über 60 Personen den Vortrag, darunter auch Gäste aus Nachbarvereinen.

Sarah Althaus, diplomierte Biologin der KARCH (Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz) führte uns mit einem Bildervortrag und viel Fachwissen durch den Abend.

Amphibien leben sowohl im Wasser wie auch an Land. Das Winterversteck ist frostgeschützt z.B. unter Laub im Wald. Im Februar ab ca. 6 Grad laichen die Grasfrösche bereits im Wasser. Männchen mit weisser Kehle und Weibchen mit dunkler Kehle begeben sich teils im Huckepack zu den bis zu 2km entfernten Teichen. Dort legen die Weibchen Laichballen (Gallerte + Froscheier) mit bis zu 1‘000 Eiern. Aus den Eiern entstehen Kaulquappen (Rossnägel), die den Laichballen verlassen und frei im Wasser schwimmen. Zuerst fressen sie die Überreste der Gallerte, dann Algen. In der letzten Phase der Metamorphose nach ca. 1-3 Monaten werden sie zum Fleischfresser. Die kleinen Frösche verlassen schwarmweise, als sogenannter Froschregen, das Wasser und begeben sich an feuchte Stellen auf dem Land.

Die Erdkröte ist plump und kann bis 25 Jahre alt werden. Sie hat eine Drüse am Kopf, ist warzig und hat eine goldene und waagrechte Iris. Die Weibchen sind stumm und deutlich grösser als die Männchen. Weibchen besitzen keine Schallblase und können deshalb nicht quaken. Es gibt bei den Kröten häufig viel mehr Männchen als Weibchen. (Grund?) 5-10x mehr Männchen sind keine Seltenheit. Die Weibchen legen Laichschnüre mit bis zu 3‘000 Eiern.

Der Bergmolch wechselt seine Farbe während der Paarungszeit. Die Männchen bekommen einen markanten orangen Bauch und eine intensive Blaufärbung auf dem Rücken. Die Paarung erfolgt im Wasser. Anschliessend klebt das Weibchen bis maximal 250 Eier einzeln an Wasserpflanzen. Bergmolche kommen bis gegen 2‘000 m ü. M. vor.

Der Fadenmolch ist weniger häufig und kommt bis ca. 1‘000 m ü. M. vor. Er ist beige, er hat am Körperende einen Faden und Schwimmhäute an den Füssen. Er lebt in den Auen der Region Thun/Bern.

Die Wasserfrösche sind grün und sind ab April aktiv. Die Männchen quaken mit ihren 2 Schallblasen sehr laut. Es gibt verschiedene Vertreter: der kleine Wasserfrosch, der Teichfrosch, sowie der grosse Seefrosch, der wegen seiner Schenkel zu Zuchtzwecken eingeschleppt wurde.

Der Feuersalamander, mit seinen unverkennbaren gelben Flecken auf dem schwarzen Körper, kommt im April/Mai aus seinem Laub-Versteck. Das Weibchen gebärt vollentwickelte, lebende Larven in die flache Randzone von Bächen. Der Feuersalamander ist eine gefährdete Amphibienart.

Die Gelbbauchunke, mit lehmbraunem warzigem Rücken und gelb-schwarzem Muster am Bauch, ist ebenfalls stark gefährdet. Sie ist nur noch an der Sense und am Schwarzwasser, so wie in Pfützen im Waldgebiet von Rapperswil-Fraubrunnen zu finden. Die Standorte in der Schweiz haben sich von 1977 bis 2008 um dramatische 65% reduziert. Eine gewisse Dynamik im Gelände, Karrgleise auf Feldwegen und Wurzelteller im Wald sind wichtig für ihr Überleben.

Das Kreuzkrötenmännchen erzeugt seinen lauten Ruf mit Hilfe der grossen Schallblase. Kreuzkröten haben kurze Beine und sind selten geworden. Der Bestand hat wegen Zerstörung des Lebensraumes um 63% abgenommen. Diese Pionierart legt Ihre Laichschnüre in flache Gewässer. Nach nur einem Monat ist die Metamorphose vom Ei zur Kaulquappe beendet. Eine kleine Kröte verlässt das Wasser. Bei uns im Flachland sind Kreuzkröten meist nur noch in Kiesgruben zu finden.

Als Schutz bei der Amphibienwanderung im Frühjahr bieten sich Plastikzäune entlang der Strassen oder Tunnels an, sowie die direkte Rettung durch Helfer. Die grösste Gefahr geht jedoch von der Zerstörung der natürlichen Lebensräume aus: isolierte Flächen, Fallen wie zum Beispiel hohe Randsteine und Schächte, sowie ausgesetzte Fische in Laichgewässern. Eine weitere Gefahr geht vom Chytridiomykose Pilz und den Rana-Viren aus.

Die dringend nötige Förderung der Amphibien kann durch folgende Massnahmen unterstützt werden:

1.   durch das Sichern der bestehenden Vorkommen und deren Lebensräume

2.   durch spezifische Fördermassnahmen

3.   durch das Vernetzen der Lebensräume untereinander

Amphibien sind geschützt. Einige Arten stehen auf der roten Liste. Es braucht mehr Laichgewässer und eine Vernetzung der Lebensräume. In Gärten kann mit Unterschlupfen und Asthaufen bereits viel für Amphibien gemacht werden.

Der Vortrag wurde bereichert durch verschiedene Beobachtungsprojekte, sowie das Gequake der erwähnten Amphibien aus dem Lautsprecher.

Heidi Löhrmann, Ergänzungen von E. Lang und F. Zopfi

Weitere Informationen zu Amphibien finden Interessierte auf www.karch.ch

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