Meinen Bach erforschen!

Der NVM hat im Rahmen der Ferienaktivitäten 2019 des Jugendwerkes unter Führung der Biologin Susanne Steiner, von Aqua Viva und mit Unterstützung von Maria Klopfenstein (NVM) diesen tollen Nachmittag organisiert.

Am ersten Montag in den Frühlingsferien stehen neun Kinder in Gummistiefeln und Regenhosen – ganz unpassend zum schönen Wetter – vor dem Coop Münchenbuchsee. Genau die richtige Garderobe, um als Wasserforscher den nahegelegenen Dorf Bach am Lindenweg zu erkunden.

Schon auf dem Weg dorthin, fällt auf, dass die Strasse «Am Bach» heisst. Die Kinder sind sich aber einig: «hier wollen wir den Bach nicht untersuchen». Er fliesst in Betonhalbschalen und sieht nicht spannend aus. Für die Wassertiere viel dramatischer als für uns, bietet er hier auch wirklich kaum Lebensräume. Nach einem Rückhaltebecken verschwindet der Bach gar in einer grossen Röhre (oder besser gesagt, er kommt aus einer grossen Röhre, wir sind ja Bachaufwärts unterwegs!).

Nach dem Überqueren der Strasse kommt er zum Glück wieder zum Vorschein, und zwar schöner als bis anhin. Ein recht natürlich anmutendes Gerinne, mit einem Ufersaum aus Gehölzen und Stauden.

Der Bach schliesst auf der einen Seite direkt an Privatgärten, zu denen offenbar das Land bis zur Bachmitte gehört. Auf der anderen Seite ist ein sehr schmaler Uferstreifen und ein Spazierweg mit Kalkkieseln, danach eine landwirtschaftliche Weide.

Auch den kleineren Kindern ist klar, wir sind nicht in der freien Natur. Nichts desto trotz erfüllt dieser Dorf Bach hier eine sehr wichtige ökologische Funktion und vernetze Lebensräume. Was wohl in diesem Bach für Tiere leben?

Nun müssen die jungen Wasserforscher*innen anhand von Bildern und Beschreibungen erst einmal die Tiere kennen lernen, die im Bach vorkommen könnten. Eine erste Annährerung an das Wasser geschieht dann auch ganz „tierisch“. Zuerst das Wasser berühren wie ein Wasserläufer – die Kinder spüren dabei die Oberflächenspannung des Wassers – dann auf dem Wasser treiben wie ein Blatt und zuletzt in die Fluten stürzen wie eine Wasserspitzmaus auf Fischfang.

Kurz darauf gibt es eine Einführung, wie sachgerecht nach Eintagsfliegen & co. gesucht wird, ohne die Tiere zu schädigen. Ein weisses Becken, ein Pinsel und ein Küchensieb genügen dazu. Die meisten Tiere verstecken sich wegen der Strömung unter den Steinen. Das Sieb wird also Bachabwärts vom Stein ins Wasser gehalten, der Stein wird aufgehoben und anschliessend noch verbleibende Tiere mit einem Pinsel sanft in das wassergefüllte Becken befördert. Auch im Netz wird nach den Tieren gesucht, die sich nicht erfolgreich festhalten konnten. So erhalten wir schnell ein ganzes Sammelsurium an Kleintieren.

Mit einer vereinfachten Bestimmungshilfe werden Köcherfliegen von Bachflohkrebsen und Eintagsfliegenlarven von Schlammröhrenwürmern getrennt und in Becherlupen untersucht.

Die Kinder lernen, dass es auch Köcherfliegenarten ohne Köcher gibt, dass die Bachflohkrebse meistens im Zweierpack herumschwimmen, da das Männchen für die Paarung warten muss, bis sich das Weibchen häutet und dass Eintagsfliegenlarven ein gutes Zeichen für die Wasserqualität sind.

Die Zusammensetzung und Anzahl der Kleinlebewesen der Bachsohle lässt auf eine mässige Belastung des Gewässers schliessen, was für einen Dorf Bach im Mittelland normal ist.

Als Höhepunkt dürfen wir noch die Bergmolche und Kaulquappen von Erdkröten und Grasfröschen im Schwimmteich eines Bachanwohners bewundern. Auch diese sind auf die Erhaltung von naturnahen Feuchtgebieten und vernetzte Lebensräume angewiesen.

Bericht: Susanne Steiner (Aqua Viva)

Aqua Viva – die nationale Gewässerschutzorganisation. Wir setzten uns landesweit für den Schutz und die Aufwertung von Gewässern, Auen und Moorlandschaften ein. Der Einsatz findet bei der Mitarbeit in Projekten, anhand von juristischer und politischer Arbeit sowie in der Umweltbildung statt. Aqua Viva wird weitgehend von ihren Mitgliedern und Spendern getragen.www.aquaviva.ch

Bilder: Susanne Steiner, Maria Klopfenstein, Erich Lang