Wie wird mein Garten lebendiger?
Wie gestalte ich meinen Garten (meinen Balkon oder den Platz um die Firma) für Schmetterlinge, Wildbienen, Vögel, Igel & Co.?

Bericht zum Infoabend und Präsentation von Gärten mit Kaspar Pfister (Gärtner EFZ und Natur- und Umweltfachmann FA, naturgartenleben GmbH, Münchenbuchsee) am 1. April 2019 im Kirchgemeindehaus Münchenbuchsee.

Kaspar Pfister erklärte auf spannende und lebendige Art den beinahe 70 anwesenden Personen, was für ihn die Definition eines Gartens ist und wie die Gestaltung und Ökologie miteinander vernetzt sind: Ein abgegrenztes Stück Land, das Pflanzen und Tiere enthält und durch den Menschen genutzt wird. Also weder ein Naturschutzgebiet noch ein Wohnzimmer noch ein Acker, aber es kann als der Schnittpunkt dieser drei Gebiete betrachtet werden. In einer Serie von inspirierenden Gartenbildern konnte das Zusammenspiel von Gestaltung, Nutzen und Ökologie mit seiner Dynamik aufgezeigt werden. Wenn diese Lebendigkeit im Garten vom Besitzer zugelassen und z.B. auch Laub liegen gelassen wird, entstehen schöne Gartenbilder, aber gleichzeitig Verstecke für Tiere wie Igel und Vögel, die zugleich Nahrung unter dem Laub finden. Mit einer Holzbeige können optische Akzente gesetzt werden, damit verbunden sind auch Schlupfwinkel für Wildbienen und andere Tiere. Der Garten ist ein komplexes und sensibles Ökosystem, das mit der Zeit selbstregulierend ins Gleichgewicht kommt. Der menschliche Eingriff ist dabei erwünscht, der Aufwand kann aber auch im Mass gehalten werden und ein pflegeleichter Garten entsteht, in dem der Besitzer sich wohl fühlt. Statt Blattläuse mit Chemie zu spritzen helfen Marienkäfer und Wespen, so kann auf natürliche Bekämpfung gesetzt werden. Wenn Lebensräume für diese Helfer geschaffen werden, können sie im Gegenzug von deren Nutzen profitieren. Schnecken, die bereits ab Mai unter ausgelegten Brettern eingesammelt werden und das Giessen am Morgen, helfen diese unter Kontrolle zu halten und wenn noch ein Igel im Garten haust, dann hilft auch der bei der weiteren Reduktion dieser Schädlinge.

Einige der wichtigsten Tipps für einen naturnah gestalteten Garten oder im Kleinen auf dem Balkon:

  • Ÿ  Vielfältige einheimische Bäume, Sträucher und Pflanzen, die mit ihrem Nektar, den Samen und Früchten Nahrung für Mensch und Tier bieten, aber auch farbliche und gestalterische Akzente in den Garten bringen und über gestaffelt über die ganze Vegetationszeit blühen. So benutzen 49 Schmetterlingsarten die Brennnessel für die Eiablage und als Raupenfutterpflanze. Einige der Arten sind sogar auf diese Pflanze angewiesen wie Admiral, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, C-Falter und Landkärtchen. Raupen sind wieder eine wichtige Proteinquelle für Jungvögel. Ein anderes gutes Beispiel ist der Schwarze Holunder. Seine Beeren dienen im Herbst 63 Vogelarten als Nahrung und er schmeckt auch fein als Sirup aus den Blüten oder als Konfitüre.
  • Ÿ  Eine offene, sandige besonnte Stelle im Garten bietet Ruderalpflanzen wie dem violett-hellblau blühendem Natternkopf, aber auch Boden bewohnenden Wildbienen einen wichtigen Lebensraum.
  • Ÿ  Asthaufen: Dicke und dünne Äste mit trockenem Laub vermischt in einer Gartenecke dienen als Unterschlupf für Reptilien oder sogar als Winterquartier für den Igel.
  • Ÿ  Steinhaufen: frostsicher, d.h. 50-80 cm tief, ideal mit flachen Steinen geschichtet, sonnig gelegen und mit Hohlräumen versehen, dient ein Steinhaufen Kleinschmetterlingen, aber auch Amphibien und Reptilien als Heim.
  • Ÿ  Im Winter stehen gelassene Samenstauden dienen Vögeln (wie den bunten Distelfinken) als Nahrung. Karden und weitere stehende Markstängel sind für Wildbienen wertvoll.
  • Ÿ  Kopfweiden, die Sie vom NVM erhalten können, haben einen sehr hohen ökologischen Wert und sind für viele Bienen die erste Nahrung im Jahr. Alternierend in jedem 2. Jahr geschnitten, blüht immer eine von zwei Weiden. Geeignet sind schmalblättrige Weiden mit anliegenden Knospen. Darin verstecken sich auch viele weiter Käfer (z.B. der prächtige Moschusbock), die dann wieder als Nahrung für Vögel dienen können.
  • Ÿ  Eine Trockenmauer, ohne Mörtel in den Fugen, ist ein schönes Stilelement im Garten, schafft aber auch Lebensraum ähnlich wie ein Steinhaufen.
  • Ÿ  Teiche und Wasserstellen sind wertvoll im Garten und bringen ein erfrischendes Element dazu. Am besten ohne Fische, da diese den Laich von Fröschen und Larven von z.B. Libellen fressen und so die Vielfalt und den Nutzen des Teiches schmälern. Aufkommende Algen sind wieder eine Nahrungsgrundlage. Ein Teich wird am besten im September-Oktober gesäubert. Um den darin vorkommenden Lebewesen die Rückkehr in den Teich wieder zu ermöglichen, sollte das Material 1-2 Tage neben dem Weiher liegen gelassen werden. Zu beachten ist auch, dass Libellen ihre Eier auf die Unterseite von Blättern am Weiher legen.
  • Ÿ  Mit der bereits erwähnten Holzbeige, aber besonders auch mit stehendem Totholz, kann ein weiteres Element zur Förderung der Natur, aber auch zur spannenden Gestaltung des Gartens erstellt werden.
  • Ÿ  Für Vögel wie die Amsel, die ihr Nest gerne in Sträuchern baut, kann mit dem Quirl-Schnitt vom Schwarzdorn ein guter Schutz gegen die oft zahlreichen Nesträuber wie Katzen und Krähen gemacht werden.
  • Ÿ  In privaten Gärten hat Chemie nichts verloren und die Düngung sollte mit eigenem Kompost erfolgen.

Konkrete Tipps zur naturnahen Gartengestaltung und Umsetzung erhalten Sie bei «naturgartenleben».
Ÿnaturgartenleben gmbh mit neuer Homepage auch mit Kursangebot für Private:
radiostrasse 19, 3053 münchenbuchsee 031 911 22 03, Homepage und Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Weitere Tipps und Infos für einen lebendigen Garten können Sie auch hier erhalten. Einige Links dazu:

  • Ÿ  Bioterrra www.bioterra.ch Bioterra ist die führende Organisation für den Bio- und Naturgarten in der Schweiz. Wir setzen uns für den biologischen Anbau ein. Unser Engagement gilt der Förderung und dem Erhalt der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt. (naturgartenleben ist Mitglied von Bioterra)
  • Ÿ  BirdLife Schweiz www.birdlife.ch BirdLife Schweiz ist mit 65'000 Mitgliedern eine der grössten Naturschutzorganisationen der Schweiz. Das Netzwerk vereint 440 lokale Naturschutzvereine, 18 Kantonalverbände und zwei Landesorganisationen. Der NVM ist Mitglied von BirdLife Schweiz.
  • Ÿ  Floretia: Wie finde ich die passende Pflanze für meinen Naturgarten? Passend zu «Mission B» von SRF, RSI, RTR und RTS wurde der Verein Floretia ins Leben gerufen. Floretias Ziel ist, dass es allen Menschen, ungeachtet ihres Vorwissens und ihres Budgets, möglich ist, eine naturnahe Fläche zu schaffen.: www.floretia.ch
  • Ÿ  www.wildbee.ch wildBee.ch setzt sich für den Schutz der Wildbienen und ihrer Lebensräume ein.
  • Ÿ  Andermatt Biogarten hat schweizweit das grösste Sortiment für den biologischen und naturnahen Pflanzenschutz in den Bereichen Garten, Balkon und Haushalt. www.biogarten.ch
  • Ÿ  Ein Video zum Thema

Der NVM bedankt sich bei Kaspar Pfister für den kompetenten und inspirierenden Vortrag. Der NVM steht Ihnen gerne für weitere Infos zur Verfügung und kann Ihnen auch Nisthilfen für Vögel und Fledermäuse verkaufen.

Bericht und Bilder: Erich Lang