Wie wird mein Garten lebendiger?

Wie gestalte ich meinen Garten für Schmetterlinge, Wildbienen, Vögel, Igel & Co.?

Bericht zur Begehung von Gärten mit Kaspar Pfister (Gärtner EFZ und Natur- und Umweltfachmann FA, Naturgartenleben GmbH, Münchenbuchsee) am 18. Mai 2019 mit Start im Freispielpark in Münchenbuchsee.

Zu Gast bei Simone Kamer im Freispielpark, wo Kaspar Pfister mit Studienkollegen des sanu Lehrgangs zum Natur- und Umweltfachmann FA im 2017 die biologische Aufwertung dieses Parkes durchgeführt hatte, startete eine erfreulich grosse Besuchergruppe den Rundgang durch Buchsi. Kaspar konnte im FSP natürlich besonders kompetent Auskunft geben und informieren. Die vor Ort vorkommenden Blindschleichen, die sich oft unter den vorhandenen Asthaufen verstecken oder auf den Steinen vor dem Insektenhotel sonnen, konnten wir aber nicht entdecken. Auf den blühenden Wildpflanzen beobachteten wir zahlreiche Fluginsekten, was auch die Kinder, die oft hier spielen, mit Interesse verfolgen und die erhöhte Naturvielfalt im Park zu schätzen wissen.

Weiter konnte die Gruppe den am offenen Dorfbach gelegenen Garten von NVM Mitglied Charlotte Bühlmann, der vor Jahren von naturgartenleben GmbH umgestaltet wurde, besuchen. Vom Gemüsegarten bis zum renaturierten Dorfbach ist da eine breite Spanne von Elementen und Lebensräumen zu sehen. Auf dem blühenden Wiesenschaumkraut fand sich ein Aurorafalter, dessen Raupen das Wiesenschaumkraut als Futterpflanze nutzen. Eine möglichst grosse Vielfalt an Naturpflanzen, die auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten blühen, bieten so einer grossen Zahl von Insekten eine Lebensbasis. In erster Linie sollten einheimische Pflanzen zum Blühen kommen. Einheimische Wildpflanzen passen hierher und das heisst, sie passen auch zur einheimischen Tierwelt. Der Wegerich zum Beispiel wird von 48 verschiedenen Schmetterlingsraupen genutzt. Die Beeren des Schwarzen Holunders werden von 63 Vogelarten gefressen.

Quelle Zeitschrift «Bioterra», Mai/Juni 2015 zu Brennnesseln:

Nicht nur Käferarten, Blattläuse, Minierfliegen und andere Kleintiere leben auf der Brennnessel, sondern auch 49 Schmetterlingsarten benutzen die Brennnessel für die Eiablage und als Raupenfutterpflanze. Einige der Arten sind sogar auf diese Pflanze angewiesen wie Admiral, Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, C-Falter und Landkärtchen. Wichtig sind jedoch der Standort, die Menge und die Qualität der Pflanzen, denn jede Art hat eine besondere Brennnessel- Vorliebe entwickelt. Der Kleine Fuchs etwa bevorzugt Brennnesseln in sonniger Lage. Tagpfauenaugen suchen eher halbschattige, windgeschützte Bestände auf. Der Admiral liebt vereinzelt wachsende, eher mickrige Brennnesseln und das Landkärtchen grosse Brennnesselbestände, die im feuchten Schatten von Bäumen in der Nähe von Gewässern wachsen. Damit auch die zweite Generation Futter vorfindet, kann man einige der Pflanzen Ende Mai bodeneben abmähen.

Auf dem Weg Richtung Üedeli konnten wir die Naturwiese beim Höheweg-Schmiedegasse und deren Umgebung, die auch von Naturgartenleben GmbH gestaltet wurde, betrachten. Aber nicht ohne auch den darin blühenden invasiven Neophyten, das Einjährige Berufskraut, auszureissen, damit es nicht überhand gewinnt. Bei dem von Hans-Ueli Stucki, mit Unterstützung weiterer NVM Mitgliedern angelegten und unterhaltenen Schmetterlingsgarten konnten wir eine grosse Vielfalt von Blütenpflanzen auf engem Raum sehen. Die grosse Mehlschwalbenkolonie bei Familie Glauser sorgte für eine andere schöne Art von Begegnung. Der gemeinsame naturnahe Garten am Üedeli der Familie Rieser-Keller und naturgartenleben GmbH Besitzer Kurt Odermatt mit integriertem Teich war ein weiteres Beispiel eines schön gestalteten Naturgartens, in dem sich auch die Bewohner wohl fühlen, Naturbeobachtungen machen können, aber auch die Natur sich entwickeln kann.

Zum Abschluss des Vormittages zeigte uns Sabine Käser, die Parkverantwortliche der Privatklinik Wyss, einige Bereiche der grossen und naturnahen Anlage. Einerseits sind mit den Wallabies und Emus Tiere aus dem fernen Australien im auch viel von Familien besuchten Park platziert, es hat aber auch viel Raum für Vögel im grossen Park. Im Weiher tummeln sich Frösche und deren Kaulquappen und im Hochstamm-Obstgarten kommen diverse Vogelarten vor, die hier Nahrung und Nistplätze auch zur Aufzucht ihrer Jungvögel findet. Auf den gestuft gemähten Naturwiesen finden sich zahlreiche Insekten, die ihrerseits wieder als proteinreiche Futterquelle besonders für Jungvögel wichtig sind. Erfreulich ist auch, dass dieses Jahr erstmals Mauersegler in den Nistkästen der Privatklinik brüten. Die Privatklinik ist für Ihre Umgebung, die auch den Patienten zum Spazieren dient, mit dem Label der Organisation www.naturundwirtschaft.ch zertifiziert.

Der interessante Rundgang durch Buchsis Gartenvielfalt fand seinen Abschluss bei einem wohl verdienten Apéro mit dem Küchenchef Andreas Scheider. Wir vom NVM hoffen mit diesem Rundgang bei den Mitmachenden mögliche Ideen für weitere naturnahe Gartengestaltung gegeben zu haben, welche es in Buchsi noch viel mehr braucht. Unser Dank gilt an Kaspar Pfister und seinem Arbeitgeber, der diesen Rundgang kostenlos durchgeführt hat, und natürlich den Gartenbesitzern und besonders auch der Privatklinik Wyss mit Sabine Käser und Andreas Scheider für ihren Einsatz.

Einige der wichtigsten Tipps für einen naturnah gestalteten Garten stammen aus dem Bericht zum Vortrag von Kaspar Pfister »Wie wird mein Garten lebendiger?« und sind dort detailliert beschrieben zu finden.

  • ŸVielfältige einheimische Bäume, Sträucher und Pflanzen ohne Trachtlücken
  • ŸEine offene, sandige besonnte Stelle im Garten für Ruderalpflanzen
  • ŸSteinhaufen: frostsicher, d.h. 50-80 cm tief, ideal mit flachen Steinen geschichtet
  • ŸIm Winter stehen gelassene Samenstauden dienen Vögeln als Nahrung
  • ŸWeiden haben einen hohen ökologischen Wert und sind für viele Bienen die erste Nahrung im Jahr
  • ŸEine Trockenmauer schafft aber auch Lebensraum ähnlich wie ein Steinhaufen
  • ŸTeiche und Wasserstellen sind wertvoll im Garten und bringen ein erfrischendes Element dazu.
  • ŸEine Holzbeige und auch stehendes Totholz sind weitere Elemente zur Förderung der Natur
  • ŸIn privaten Gärten hat Chemie nichts verloren und die Düngung sollte mit eigenem Kompost erfolgen

Konkrete Tipps zur naturnahen Gartengestaltung und Umsetzung erhalten Sie bei naturgartenleben:

Weitere Tipps und Infos für einen lebendigen Garten können Sie auch hier erhalten. Einige Links dazu:

  • ŸBioterrra www.bioterra.ch Bioterra ist die führende Organisation für den Bio- und Naturgarten in der Schweiz. Wir setzen uns für den biologischen Anbau ein. Ihr Engagement gilt der Förderung und dem Erhalt der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt. (naturgartenleben ist Mitglied von Bioterra)
  • ŸBirdLife Schweiz www.birdlife.ch BirdLife Schweiz ist mit 65'000 Mitgliedern eine der grössten Naturschutzorganisationen der Schweiz. Das Netzwerk vereint 440 lokale Naturschutzvereine, 18 Kantonalverbände und zwei Landesorganisationen. Der NVM ist Mitglied von BirdLife Schweiz.
  • Floretia: Wie finde ich die passende Pflanze für meinen Naturgarten? Passend zu «Mission B» von SRF, RSI, RTR und RTS wurde der Verein Floretia ins Leben gerufen. Floretias Ziel ist, dass es allen Menschen, ungeachtet ihres Vorwissens und ihres Budgets, möglich ist, eine naturnahe Fläche zu schaffen.: www.floretia.ch
  • Ÿwww.wildbee.ch wildBee.ch setzt sich für den Schutz der Wildbienen und ihrer Lebensräume ein.
  • ŸAndermatt Biogarten hat schweizweit das grösste Sortiment für den biologischen und naturnahen Pflanzenschutz in den Bereichen Garten, Balkon und Haushalt. www.biogarten.ch
  • ŸEin Video zum Thema: www.youtube.com/watch?v=c4ypxFop6bE
  • Ÿwww.nvm-buchsi.ch

Bericht und Bilder: Erich Lang