Heimische Reptilien im Fokus – ein Informationsabend rund um Ringelnatter und Co.

Ringelnatter ist eine der im Schweizer Mittelland heimischen Reptilienarten: Dazu gehören die noch seltenere Schlingnatter, die Zaun-, Wald- und Mauereidechsen und die Blindschleiche. Doch die letzte offizielle Meldung einer Ringelnattersichtung am Moossee und der weiteren Umgebung wurde laut karch, der Koordinationsstelle für Amphibien- & Reptilienschutz in der Schweiz, in den 1960er-Jahren gemacht. Das berichtete Christine Wisler Hofer, Reptilienfachfrau, Ende Januar bei einem Informationsabend des Natur- und Vogelschutzvereins Münchenbuchsee und Umgebung NVM, im gutbesuchten Kirchgemeindehaus Münchenbuchsee. Zahlreiche Interessenten lauschten dem unterhaltsamen Vortrag über die Schweizer Reptilien, ihre Lebensräume und Möglichkeiten der Förderung bedrohter Reptilien.

Was benötigen Reptilien, damit sie in einem Gebiet leben und überleben können? Ganz einfach, erklärte Christine Wisler Hofer im Rahmen ihres Vortrags: Beutetiere, Sonnenplätze, Brutstätten und Eiablageplätze, Schlupfwinkel und Überwinterungsstätten. Ist alles ausreichend vorhanden, können sich die verschiedenen Reptilienarten ausreichend ernähren und Nachwuchs produzieren. Wenn aber einer oder mehrere der Faktoren fehlen oder nur eingeschränkt vorhanden sind, geht das Vorkommen einer Art zurück. So hat die Trockenlegung von Sumpfgebieten und das Verschwinden vieler Auengebiete mit ihren dynamischen Flussläufen zum Rückgang von Ringelnatter und Schlingnatter geführt. Auch geeignete Eiablageplätze oder Schlupfwinkel in grossen Asthaufen oder langjährig bestehenden Grashaufen sowie Lesesteinhaufen und Trockenmauern sind im intensiv landwirtschaftlich genutzten Mittelland rar geworden. Die «Kulturfolgerin» Mauereidechse hingegen findet entlang von Strassen, Bahnlinien und in Siedlungsgebieten viele geeignete Lebensräume. Demzufolge ist sie häufig anzutreffen; an sonnigen Tagen kann man sie sogar im Winter gelegentlich an warmen Mauern beobachten. Vermutlich hat ihre starke Zunahme sogar zum weiteren Rückgang der Zauneidechse geführt. Diese leidet bereits unter dem Verschwinden von Trockenhängen und Magerwiesen und ist – wie die meisten Reptilien – auch durch Hauskatzen stark bedroht. Häufiger anzutreffen ist die Blindschleiche. In Gärten mit Kompost- und Laubhäufen, Hecken und Säumen hält sie sich gerne auf. Dort findet sie auch Schnecken und Würmer, die zu ihren Hauptbeutetieren zählen.

Reptilien im eigenen Garten

Die einheimischen Reptilien sind geschützt und dürfen nicht gefangen oder getötet werden. Wer auf seinem Grundstück heimische Reptilien fördern möchte, muss nicht zwingend wissen, welche Arten vorkommen. Viele einfache Massnahmen helfen allen Reptilienarten: Legen Sie zum Beispiel Kleinstrukturen wie Steinhaufen, Steinlinsen und Trockenmauern an. Denken Sie dabei daran, dass die Reptilien wechselwarm sind und für ihre Körperfunktionen Wärme von aussen benötigen. Sie regulieren ihre Körpertemperatur dadurch, dass sie gezielt warme oder kühlere Plätze aufsuchen. Idealerweise liegen diese Kleinstrukturen daher in sonnigen Bereichen, werden aber auch durch Angebote in halbschattigen Bereichen ergänzt. Gerne angenommen werden Ast- und Totholzhaufen, Holzbeigen sowie grosse Gras- oder Laubhaufen. Letztere sollten möglichst über mehrere Jahre am Standort belassen und durch eine jährliche Neuauflage von Material unterhalten werden. Auch Kompost wird gerne genutzt, dort legt zum Beispiel die Ringelnatter ihre Eier ab. Christine Wisler Hofer betonte, dass es in solchen Fällen wichtig ist, in der Zeit vom Beginn er Eiablage im Juni bis Ende Oktober keine Kompost- oder Laubhaufen umzuschichten. Oft bleiben die Jungtiere noch bis in den Herbst dort, um sich zu orientieren. Wertvoll sind auch «wilde Ecken» im Garten, in denen Laub liegen bleibt oder ein Krautsaum unter den Sträuchern wachsen kann. Dort halten sich neben Insekten, Würmern und Schnecken auch Amphibien gerne auf. So kann der Speiseplan von Eidechsen, Blindschleichen oder Ringelnattern bereichert werden.

Gibt es rund um den Moossee noch Ringelnattern?

Ausserhalb der Siedlungen sind die Förderung naturnaher, vernetzter Flächen im Landwirtschaftsgebiet, von selten gewordenen Trockenstandorten und Insektenlebensräumen wichtig für den Fortbestand der heimischen Reptilien. Für die Ringelnatter, die auf Amphibien als Hauptbeutetiere angewiesen ist und auch für die Schlingnatter, welche von einem dynamischen Lebensraum profitiert, gehören die Revitalisierung von Fliessgewässern, die Wiedervernässung trockengelegter Gebiete und die Aufwertung von Kleingewässern zu den wichtigen Fördermassnahmen. Solche Massnahmen werden jedoch in der Regel nicht durch Privatpersonen, sondern durch die zuständigen Stellen des Kantons und der Gemeinden unter Beizug von ArtenspezialistInnen der karch geplant und umgesetzt. Die kantonalen Schwerpunkte des Artenschutzes zielen für die gefährdeten Reptilien auf Erhaltung, Förderung und Vernetzung der bekannten Bestände und ihren Lebensräumen. Doch damit man die richtigen Massnahmen auswählen kann, müssen auch die Fachleute erst einmal wissen, wo welche Reptilienart vorkommt, erläuterte Christine Wisler Hofer beim Vortrag. Dabei ist die Unterstützung durch Freiwillige von grosser Bedeutung. In zahlreichen Freiwilligenprojekten im Berner Mittelland zum Thema «Reptilien» engagieren sich bereits interessierte Gruppen und Einzelpersonen. «Gefunden wird nur dort, wo gesucht wird», betonte die Reptilienfachfrau von der karch. «Wenn man nicht weiss, ob es in einem Gebiet Ringelnattern gibt, liegt das meist daran, dass man noch nicht nachgeschaut hat.» Deshalb führt der Naturschutzverein Münchenbuchsee und Umgebung NVM im kommenden Frühjahr nun gemeinsam mit karch und dem Reptilienfachmann Manfred Eichele, Präsident Natur- und Vogelschutz Burgdorf  rund um den Moossee und in der Umgebung von Münchenbuchsee eine Reptilienerhebung durch. Im Rahmen dieser Erhebung wird das Gebiet in kleinere Flächen eingeteilt, die dann von Freiwilligen im April und Mai regelmässig kontrolliert werden. Da sich alle Reptilien gerne verstecken, hat sich bei solchen Projekten der Einsatz von speziellen Platten bewährt. Der Präsident des NVM, Erich Lang, stellte zum Abschluss des Informationsabends die Methode vor und betonte, dass sich dieses spannende und vor allem zeitlich begrenzte Projekt auch für Familien gut eigne: Die heimischen Reptilien sind alle ungiftig und werden nicht eingefangen oder berührt. Vorkenntnisse sind übrigens nicht nötig, alles Notwendige erfahren die Teilnehmenden an einem Einführungsabend.

Auch wenn Sie nicht am Projekt teilnehmen können, sind Ihre Beobachtungsmeldungen von allen Reptilienarten sehr hilfreich und erwünscht. Besuchen Sie für weitere Informationen zu den Amphibien- und Reptilienarten, den Schutzmassnahmen und wie Sie Beobachtungen melden können doch bitte die Webseite der karch: www.karch.ch oder wenden Sie sich direkt an Frau Wisler Hofer: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Kommen Sie mit auf Reptilienpirsch?

Wir wollen herausfinden, welche einheimischen Reptilien rund um den Moossee und in der Umgebung von Münchenbuchsee vorkommen. Ziel ist es, diese dann gezielt zu fördern. Für die Erhebung suchen wir Freiwillige, die im April und Mai zwei bis drei Mal pro Woche ein zugeteiltes Gebiet kontrollieren. Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich. In einem kurzen Einführungskurs lernen Sie die Reptilienarten und die sogenannte Plattenmethode kennen, die hier zum Einsatz kommt. Vor Ort notieren Sie dann, welche Tiere Sie entdecken, und machen, wenn möglich, ein Foto. Das Projekt eignet sich für Familien, da die einheimischen Reptilien ungiftig sind.

  • Möchten Sie mitmachen? Mehr Informationen erhalten Sie bei Erich Lang, Co-Präsident Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung, Telefon 031 869 31 38 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

        WEGEN CORONA VIRUS MASSNAHMEN ABGESAGT

  • Informationsabend mit Einführungskurs und Zuteilung der Gebiete: Mittwoch 25. März, 19 Uhr im Kirchgemeindehaus Münchenbuchsee, Oberdorfstrasse 6
  • Beginn des Projekts/Auslegen der Platten am Moossee: Freitag 3. April, 17 Uhr vor dem Strandbad Moossee
  • Ende des Projekts: Ende Mai (Verlängerung je nach Situation max. bis Ende Juni)

 

Text: Bettina Bürki

Bilder:

Blindschleiche im Freispielpark Buchsi am Aufwärmen nach der Winterruhe, Mauereidechsen am Eichgutweg in Buchsi
von Erich Lang, Co-Präsident NVM Buchsi

Ringelnatterweibchen von der Emme; Zauneidechsenpaar, das Männchen mit dem herrlichen Prachtkleid
von Manfred Eichele, Präsident NV Burgdorf und Reptilienfachmann