Bunte Tagfalter im Berner Oberland

Am Montagabend 30. Oktober konnte der NVM erfreulicherweise über 70 Personen zum Bildervortrag von Hans-Peter Wymann über Tagfalter im Berner Oberland begrüssen. Hans-Peter Wymann ist im Naturhistorischen Museum Bern tätig, wo er unter anderem unglaublich detailtreue Zeichnungen von Insekten anfertigt.

Die Nordalpen sind gemäss seiner Aussage entomologisch (Insekten betreffend) schlecht erforscht. Auf der Durchfahrt im Kandertal Richtung Wallis hat vor Jahrzehnten einer seiner Forscherkollegen die Aussage gemacht: „Da fliegt nichts“. Dies hat Hans-Peter Wymann beflügelt, der Sache auf den Grund zu gehen. Von den gut 200 Tagfaltern, die in der Schweiz zu finden sind, konnten er und weitere Forscher im Berner Oberland nach langjähriger intensiver Suche und Beobachtungen gut 150 Arten feststellen, was ihn zur süffisanten Schlussbemerkung des Vortages „Irren ist menschlich“ veranlasste. Auch einige als bisher verschollen geglaubte Tagfalter wie der Gelbringfalter konnten von den Schmetterlingsspezialisten im Berner Oberland kürzlich wieder nachgewiesen worden.  

Seine Präsentation der Tour durch das Berner Oberland startete er auf der Thuner Allmend, die dank der Armee einen grossen Trockenrasen und damit auch Habitat für viele Schmetterlinge darunter z.B. den Adonisbläuling ist. Wegen des Klimawandels sind vermehrt auch neue Tagfalterarten zu finden. Der Grosse Schillerfalter ist nun öfter an höheren Standorten als auch weiter nördlich zu entdecken, sofern natürlich auch die Futterpflanzen vorhanden sind. Im Eritzer Hochmoor kommt z.B. der Hochmoor Gelbling vor. In der Nähe, auf der Lombachalp, ist ein grosses Vorkommen an Skabiosen Scheckenfaltern, welcher allgemein als sehr rar gilt.

In der Simmenfluh, die den Zugang zum Simmental markiert, sind speziell an diesem trockenen und warmen Standort Segelfalter, wie der weit verbreitete Apollofalter zu sehen, die die gute Thermik nutzen. Beim Landkärtchen sind die unteren Flügelseiten wie eine Landkarte gemustert. Dieser, wie auch viele andere Schmetterlinge, sind auf die Brennnesseln als Futterpflanze für ihre Raupen angewiesen.  

Die Verbreitung von gewissen Tagfaltern folgt Mustern, die noch nicht geklärt worden sind. So ist im Gasterntal vom sehr artenreichen Alpenapollo die eine Art nur auf der Ost-, eine weitere Art nur auf der Westseite der Kander zu finden. Im Berner Oberland haben viele Falter ihr entweder nördlichstes, westliches oder auch östlichstes Verbreitungsgebiet, je nach ihrer ursprünglicheren Herkunft.

Der grosse und kleine Moorbläuling braucht für seine Entwicklung den Grossen Wiesenknopf als Futterpflanze. Die Raupen lassen sich im Spätsommer zu Boden fallen und werden von den Knotenameisen in ihren Bau geholt im Glauben daran, dass es sich dabei um ihren eigenen Ameisennachwuchs handelt. Im Ameisenbau fressen die Raupen dann Larven der Ameisen. Im Frühjahr schlüpft der Falter und setzt mit einer klebrigen Masse die Ameisen ausser Gefecht und nutzt die Aufregung, um aus dem Ameisenbau raus zu kommen und davon zu fliegen, sich zu paaren und seine Eier erneut auf den Wiesenknopf zu legen. An diesem Beispiel ist zu sehen, wie wichtig es ist, dass verschiedene Elemente symbiotisch vorhanden sein müssen, damit einzelne, hoch spezialisierte Arten sich fortpflanzen können und somit erhalten bleiben.

Weltweit einzig kommt der Sudeten Mohrenfalter in Grindelwald vor. Auch der Schneeschillerfalter kommt in einem Umkreis von 500 km nur ums Faulhorn, oberhalb des Grindelwaldner Talkessels vor. Die männlichen Tagfalter schlüpfen oft vor den Weibchen und von manchen Arten sind die Männchen auf nassen-steinigen Flächen zu sehen, wo sie Mineralien aus dem Boden saugen, damit ihre Spermien reifen.

Im Haslital und im Gebiet gegen den Sustenpass mit seinen Auenwäldern, ist der Geissblatt Scheckenfalter zu finden. Hans-Peter Wymann konnte zu den weiteren zahlreichen beschriebenen Tagfaltern manch lebendige Geschichte über deren Entdeckungen und Beobachtungen erzählen.

Das interessierte Publikum stellte zahlreiche Fragen. So erfuhren wir, dass nur gut zehn Arten als Schmetterlinge überwintern. Die anderen entweder als Raupe, Puppe oder Ei. Manche Arten fliegen nur alle zwei Jahre, da die Entwicklung der Jungtiere wegen der kurzen Vegetationsperiode nur langsam und schrittweise vorangeht. Obwohl sich Tagfalter im Berner Oberland wegen der Klimaerwärmung neue Lebensräume erschliessen, sind diese unter Druck. Werden z.B. Alpen neu durch Strassen erschlossen, folgt damit meist auch der Austrag von Gülle. Dadurch werden die Wiesen zu fett und die vielfältige Magerwiesen Flora verschwindet und damit auch die meisten Schmetterlinge auf diesen Wiesen.

Weiter kamen die kürzlich in der Presse publizierten Ergebnisse der „Krefelder Studie“ zur Entwicklung von Insekten in den letzten 20 Jahren zur Sprache. Die Biomasse der Insekten hat in dieser Zeit um drastische 80% abgenommen. Damit fehlen einerseits Bestäuber für gut ¾ der Nahrungspflanzen, die durch Bienen und Insekten bestäubt werden, aber auch die Lebensgrundlage und Nahrung für weitere Insekten, Vögel und Fledermäuse. Die Gründe dafür sind wissenschaftlich nicht ganz klar. Ein wichtiger Grund dafür ist aber sicher die Verödung unserer Landschaft und das Verschwinden von Futterpflanzen für Insekten. Weiter der starke Einsatz von Pestiziden, damit ein hoher Ertrag erzielt wird und der Konsument makelfreie Ware kaufen kann. 

Was kann dagegen gemacht werden? Wichtig ist eine naturnahe Bewirtschaftung des eigenen Gartens oder Balkons, landwirtschaftlicher und öffentlicher Flächen.

Den eigenen Garten und Balkon naturnah zu gestalten und etwas „Wildnis“ zulassen erhöht die Naturvielfalt. Dies ist um vieles wertvoller als z.B. nur Steinflächen im Garten zu haben. Ein Insektenhotel ist gut, aber es braucht auch Nahrung für dessen Bewohner. Also Wildpflanzen vorziehen und z.B. auch Gemüse blühen lassen, wie Fenchel oder Petersilie. Sie werden staunen, wie dadurch zahlreiche Fluginsekten angezogen werden. Gegen Blattläuse hilft einfache Schmierseife oder Brennnesselwasser. Mit dem Kauf von Produkten aus naturnaher und besonders biologischer Produktion kann die Biodiversität unterstützt werden. Auf jeden Fall ist es höchste Zeit etwas gegen diese anstehende weiter Verarmung der Umwelt zu unternehmen. Machen Sie mit!

Bericht: Erich Lang

Bilder: Hans-Peter Wymann

 

Zusätzliche Informationen:

passend zum Bildervortrag des NVM über bunte Tagfalter im Berner Oberland von Hans-Peter Wymann hier eine Sendung zu Insekten auf SRF1. Bitte scrollen, wenn die Musik nicht gehört werden will. Ab ca. Minute 32 hören Sie Gründe für die massive Reduktion von über 80% der Insekten der Biomasse in den letzten 20 Jahren  und mögliche Massnahmen zur Förderung der Insekten und damit auch der Tagfalter:

Faszinierender Blick in die Welt der Insekten

Insekten sind die artenreichste Klasse der Tiere überhaupt. Viele Arten sind noch gar nicht bekannt. Der «Treffpunkt» wirft einen Blick in die faszinierende Welt der Insekten.

http://podcasts.srf.ch/world/audio/Treffpunkt_31-10-2017-1003.1509444789401.mp3?assetId=eb27babb-9be6-4299-9870-a8be431044a6

Mehr zum Thema der auch von Birdlife Schweiz im Newsletter:  

Internationales Forscherteam bestätigt dramatisches Insektensterben

Ein internationales Forscherteam aus den Niederlanden, Grossbritannien und Deutschland hat die dramatischen Befunde zum Insektenrückgang in Nordwestdeutschland in einer jetzt in der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlichten Studie bestätigt. Die Forscher stellten damit die Beobachtungen des Entomologischen Vereins Krefeld auf eine wissenschaftlich abgesicherte Basis. So ist mit den Biomasseverlusten bei Fluginsekten von 76 bis 81 Prozent seit den 1990er Jahren ein klarer Negativ-Trend erkennbar. Insgesamt wurden  in einem Zeitraum von 27 Jahren 63 Standorte in Schutzgebieten unterschiedlichster Lebensräume des Offenlandes überwiegend in Nordwestdeutschland untersucht, wobei der Rückgang überwiegend im Flachland festgestellt wurde.

Hier können Sie das PDF dazu herunterladen. 

 

FRAUBRUNNER-ANZEIGER-ARTIKEL vom 21.08.2017:

Fledermäuse - weder Superhelden noch gefährliche Blutsauger

Über die nachtaktiven Fledermäuse ist oftmals wenig bekannt – doch am 28. Juli konnten sie in Münchenbuchsee als äusserst faszinierende Tiere kennengelernt werden.

Tiere, die Tag und Nacht in unserer Umwelt leben, diese mit uns teilen. Hierbei mögen viele als erstes wohl an Katzen, Hunde, Kühe oder zwitschernde Vögel denken und nicht etwa an Fledermäuse. Bei diesem Stichwort haben einige eher durch die Lüfte fliegende Superhelden oder gefährliche Blutsauger vor Augen, manche mag es wahrlich grausen davor. Doch die Säugetiere sind genauso Teil unseres Lebensraums wie etwa Nachbars Katze und bringen uns zudem auch noch grossen Nutzen. Und doch geraten sie aufgrund ihrer Nachtaktivität oftmals in Vergessenheit - aus den Augen, aus dem Sinn. Der vom Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung (NVM) organisierte Abendspaziergang Ende Juli wirkte dem entgegen und konnte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die faszinierenden Lebewesen auf interessante Weise näherbringen.

Grosses Interesse für die kleinen Tiere
Warm und sonnig war es am Abend des 28. Juli - gute Bedingungen für den Abendspaziergang unter dem Motto "Fledermäuse in Buchsi entdecken". Geleitet wurde die vom NVM ermöglichte Exkursion von Daniela Schmieder, Biologin an der Universität Bern und Mitglied des Fledermausvereins Bern. Das Interesse war gross: Rund 45 Personen versammelten sich vor dem Kirchgemeindehaus Münchenbuchsee. Sonja Bühler aus Münchenbuchsee etwa ist durch eine Ausschreibung im Gemeindeblatt auf die Veranstaltung gestossen. 

Sofort war sie neugierig, wo die Exkursion den hinführen würde und ob dabei auch tatsächlich einige Fledermäuse entdeckt werden könnten - den bis anhin habe sie in der Umgebung noch keine bewusst wahrgenommen. Felix Winkenbach dagegen, er ist einer der Initianten des NVM und heutiger Ehrenpräsident, kann immer wieder Fledermäuse im eigenen Garten bestaunen. Er war also schon zuvor etwas vertraut mit ihnen, freute sich jedoch noch weiteres Neues über die Tiere zu erfahren.

Fledermausexkursion     Fledermausexkursion

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Wissensdurst stillen
So lange es noch hell war und bevor sich die Gruppe in Richtung Golfpark Moossee aufmachte, konnte sie von Daniela Schmieder eine Menge eindrücklicher Fakten rund um die Tiere vernehmen. Gespannt wurde zugehört, viele Fragen die sich stellten beantwortet, die Wissbegierde bis zu diesem Moment befriedigt. Sie erklärte, dass in der Schweiz etwa 30 Fledermaus-Arten leben - eine hohe Anzahl für Europa. Am häufigsten finde man hierzulande die Zwergfledermaus. Die Fledermaus Nahrung besteht primär aus Insekten, auch schädlichen, wodurch die Tiere besonders wertvoll für die Forst- und Landwirtschaft sind. Ihr wichtigster Sinn ist die Echoortung: Sie stossen Ultraschalllaute aus, kurze Töne, die über unserem Hörbereich liegen. Durch Hindernisse oder Insekten werden Echos zurückgeworfen. Dadurch können sie sich ein präzises Bild ihrer Umwelt machen und sich so orientieren oder ihre Beute finden. 

Vom Aussterben bedroht
Fledermäuse sind bedrohte Tiere, die Bestände sind klein. Es gibt immer weniger Nahrung für sie aufgrund der Verarmung der Landschaft und des Rückgangs der Insektenvielfalt. Aber auch neue Techniken oder auch glatte Flächen wie Glasscheiben stellen eine Gefahr dar. Sterben einzelne Fledermäuse, hat dies einen beträchtlichen Einfluss auf deren Population. Dies rührt daher, da sie sich sehr langsam vermehren: Ein Weibchen bringt stets nur ein Junges, selten zwei zur Welt - und dies auch höchstens einmal im Jahr. Die Paarung findet jeweils im Herbst statt. Das Besondere daran ist, dass die Befruchtung erst im Frühling stattfindet. Die trächtigen Weibchen schliessen sich mit anderen zusammen und quartieren sich in sogenannten Wochenstuben ein. Dies ist der Ort, wo die Jungen geboren und anschliessend zusammen aufgezogen werden. Die Biologin erzählt von einer Wochenstube in Schüpfen, die aus über 200 Tieren besteht. In Bulgarien habe sie aber auch schon eine mit Tausenden gesehen.

Die Fledermausrufe hören
Weiter erklärt Daniela Schmieder ein kleines rechteckiges Gerät, ein sogenannter Fledermausdetektor. Damit können die Fledermausrufe im Ultraschallbereich auf bestimmten Frequenzen abgefangen und für unsere Ohren hörbar gemacht werden. Mit mehreren dieser Geräte brach die Gruppe dann auch auf, denn die Dämmerung war bereits ein- und somit die Fledermäuse aufgebrochen. Auf dem Weg zum Golfplatz Moossee in der Nähe des Friedhofs konnten schon sehr bald erste Fledermausrufe ausgemacht werden. Friedhöfe sind meist eher naturbelassen, was den Fledermäusen natürlich lieb ist. Ausserdem befanden sich dort einige Strassenlaternen. Unter deren Lichtschein schwirren oft Insekten umher, was etwa der Zwergfledermaus zum Jagen dient. Anderen Arten hilft das wenig, denn Licht ist gemeinhin unnütz für die Flugtiere. Bezüglich der Fledermausrufe gab es eine grössere Überraschung; die meisten stellten sie sich als Pfeif-Töne vor. Doch durch die Fledermausdetektoren konnte erkannt werden, dass diese vielmehr als eine Art rhythmisches Rattern zu hören sind.

"I ha eini gseh!"
Blicken liess sich jedoch keines der Tiere und so zog die Gruppe weiter, die Ohren gespitzt, den Blick in den dunklen Himmel. Eine Exkursions-Teilnehmerin meinte beinahe enttäuscht: "Die Fledermäuse machen sich aber auch rar." Doch wenn man vom Teufel spricht... Klar und deutlich sind kurz darauf Rufe zu hören. Daniela Schmieder erklärt: "Sie sind jetzt besonders nahe." Die Art und Weise der Rufe verriet, dass gejagt wurde. Es blieb nicht nur bei den Rufen, denn nun zeigten sich die Tiere in der Dunkelheit als vorbeifliegende schwarze Schatten. Immer wieder ertönte ein erfreutes "Da!" oder ein "I ha eini gseh!".

Faszinierende Flugtiere
Um möglicherweise noch weitere dieser fliegenden Säugetiere anzutreffen wurde der Abendspaziergang fortgesetzt, der weiter über den Golfplatz Moossee bis zurück zum Kirchgemeindehaus Münchenbuchsee führen sollte. Die Exkursions-Teilnehmerin Alice Lauper war so weit hellauf begeistert von der Veranstaltung: Wie die Tiere denn genau leben und Junge haben, wie sie sich orientieren, dass sie mitunter die schnellsten Flugtiere sind - alles "faszinierende Tatsachen, über welche einem meist schlicht das Wissen fehlt." Da oftmals genau dieses Wissen fehle, komme häufig ein falsches Bild von den Fledermäusen auf - vielen schaudere es ja vor ihnen, obwohl es doch eigentlich so spannende Lebewesen seien. Sie selbst ist Mitglied des Natur- und Vogelschutz Wohlen BE. Durch diesen Verein konnte sie schon einiges über die Tiere erfahren, und doch an diesem lauen Sommerabend vieles Neues über sie lernen.

Ein voller Erfolg
Die Exkursion kam langsam zu einem Ende. Auf der Route über den Golfplatz Moossee wurde noch einige Male Halt gemacht. Immer wieder fingen die Fledermausdetektoren Rufe ab. Niemand wurde enttäuscht: Wenn auch nicht alle die Fledermäuse gesehen hatten, so konnten sie zumindest reichlich gehört werden. Die Exkursions-Leiterin konnte dabei gar vier verschiedene Arten erkennen. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Diese ausgewogene Mischung zwischen Wissen und Erleben kam bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern äusserst gut an. Schlussendlich ist festzuhalten: Fledermäuse saugen weder Blut, noch retten sie die Bürger vor Bösewichten. Vielmehr sind sie ein wichtiger Teil unserer Umwelt, welchem etwas mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Vielleicht entdecken ja auch Sie bei einem nächsten abendlichen Spaziergang eines dieser nicht zu unterschätzenden Flugtiere, während es durch die Lüfte zieht?

Ein Artikel aus dem fraubrunner anzeiger
Text und Fotos: Rebekka Christen

Bilder der Diashow: Erich Lang

 

 

Stand am Buchsi Märit 2017

Der NVM betrieb den Märitstand am Buchsi Markt zusammen mit der KOFU (Kommission für Umweltfragen) zum Thema Biodiversität.

Eine Karte mit Zonen zu Biodiversität in Buchsi, ein Poster von BirdLife an der Schauwand zur Biodiversität im Siedlungsraum und konkrete Beispiele mit schönem Wiesenblumenstrauss und  Insektenhotel waren vorhanden. So konnte mit den Standbesuchern über konkrete Themen diskutiert werden.

Bei der Degustation von drei verschiedenen Süssmosten, von Herstellern aus Münchenbuchsee und Diemerswil und der dazu passenden Liste von Landwirten mit Hofverkauf, wurde auf den Bereich Hochstammbäume und lokale Produkte eingegangen. Die dazu passenden und präsentierten Vogel- und Fledermausnistkasten können nach wie vor günstig beim NVM bezogen werden. Nach dem Besuch des Standes und Erklärungen der Zusammenhänge durch die Standbetreuer, wollten viele Besucher Ihr Wissen beim Wettbewerb zum Thema Biodiversität testen und machten sich ans Beantworten der fünf, zum Teil kniffligen Fragen. Die fünf glücklichen Wettbewerbsgewinner wurden in der Zwischenzeit benachrichtigt und konnten Ihre Preise auf der Bauverwaltung abholen. Danke allen Besuchern für Ihr Interesse und die Teilnahme am Wettbewerb zum Thema Biodiversität.

Erfreulich viele Standbesucher treten nach dem Kontakt am Stand auch gleich dem NVM bei, und unterstützen so dessen lokale Arbeit im Bereich Umweltschutz, Naturförderung und Information der Bevölkerung, was zum Erhalt einer vielseitigen und gesunden naturnahen Umgebung beiträgt.

Die Liste zu den teilnehmenden Betrieben mit Hofverkauf kann hier ab unserer Homepage herunter geladen werden. Die lokalen Produzenten freuen sich über die Berücksichtigung Ihres Angebotes. Profitieren Sie davon und unterstützen sie die lokalen Landwirte.

Besten Dank allen Beteiligten für die Vorbereitung des Standes und Ihrer Mitarbeit am Stand und den vielen Standbesuchern für Ihr Interesse am Thema Biodiversität und dem NVM.

Text und Bilder: Erich Lang

 

 

Gartenvogelexkursion mit Pascal König

Bei schönstem Wetter trafen sich zahlreiche NVM Mitglieder und erfreulicherweise auch einige weitere Personen zur Gartenvogelexkursion, welche vom Vogelexperten und Co-Präsidenten des NVM, Pascal König durchgeführt wurde. Beim Rundgang über das Gelände der Privatklinik Wyss konnte uns Pascal viel Interessantes zu den gesichteten Vögeln und weiteren Zusammenhängen in der Natur erklären.

An den Gebäuden nisten zahlreiche Hausspatzen, die man an ihrem eher grauen Kopf von den Feldspatzen, die oben braun sind und zudem noch einen schwarzen Punkt an der Wange haben, unterscheiden kann. Sogar in den Mauerseglernistkasten haben sich die piepsigen Spatzen eingenistet. Die Ringeltaube mit Ihrem weissen Streifen über den Flügeln hat einen 5 strophigen Gesang im Gegensatz zur Türkentaube, die nur 3 Strophen mit einer Melodie, die wie „Grossmuetti“ tönt, gurrt. 

In den weichen und zum Teil knorrigen Birken sind Löcher vom Buntspecht vorhanden. Diese werden auch von Blau- oder Kohlmeisen als Nistplatz benutzt. Meisen und Spatzen benutzen aber auch gerne klassische,  zur Verfügung gestellten Nistkasten. Der gesichtete Grünfink mit seinem lauten Gesang und den gelben Streifen am Flügel baut sich aber offene Nester. Bei den alten Obstbäumen konnten wir erfreulicherweise einen eher seltenen Trauerschnäpper mit seiner weissen Brust und seinem schwärzlichen Rücken sehen. 

Die in zahlreichen Gehegen gehaltenen Tiere wie Kängurus, Emus (australischer Laufvogel), Alpakas, Hasen, Ziegen und ein Esel bringen Abwechslung in den Alltag der Patienten. Eine dichte Hecke aus einheimischen Sträuchern, aber auch die Nahe Nussbaumallee und die Naturwiese dienen vielen Vögeln und Insekten als Nahrungsquelle und als Unterschlupf. Für eine gute Heckenpflege ist es wichtig schnellwüchsige und somit dominante Elemente, wie Haselstrauch oder Hartriegel, im Zaum zu halten oder sogar auf den Stock zu setzen. Das Schnittgut kann zu Asthaufen aufgeschichtet werden. Idealerweise ergänzt mit einem Steinhaufen entstehen so weitere wichtige Elemente zur Förderung der Artenvielfalt vor Ort. Darin finden Insekten, Amphibien, aber auch Zaunkönig, Igel und Wiesel einen Rückzugsort. Der vorhandene Teich ist einerseits Wasserstelle aber auch Laichort oder Lebensort für Frösche, Kröten und Molche.

Singvögel sind am Morgen früh ab 5 bis 6 Uhr am Aktivsten. Mit dem Gesang wird einerseits das Revier markiert, aber auch ein Weibchen angezogen. Die Mönchsgrasmücke singt im Gebüsch und es kann tönen, als ob zwei Steine aufeinander geklopft würden. Den häufigsten Vogel in der Schweiz, den Buchfink, bekamen wir im schönsten Sonnenlicht zu sehen.

Am Himmel kreisend, konnten wir einen Schwarzmilan beobachten. Sein Schwanz ist weniger stark gegabelt und er hat weniger helle Flecken als der Rotmilan.

Ein Star liess sich nach anfänglichem Zögern nur kurz vom Füttern seiner Jungen, die in einer Höhle in einer Fichte wohnen, abhalten. Ob der an einer riesigen Birke angebrachte Fledermauskasten wohl mit den Nachtsäugern besetzt ist?

Zurück beim Hauptgebäude, begrüsste uns ein Hausrotschwanz, von seiner hohen Warte vom Dachfirst aus.

Diese Exkursion gab den Teilnehmern auch im Hinblick auf die jährlich stattfindende Gartenvogelexkursion vom 5. - 7. Mai 2017 von Bird Live Schweiz zahlreiche Tipps zum Erkennen der Vögel im eigenen Garten. Bei einem Getränk im Restaurant der Klinik Wyss konnten noch weitere Themen besprochen werden und sogar NVM Neumitglieder gewonnen werden.

Herzlichen Dank an Pascal für diese interessante Führung. Seine informativen Ausführungen und Erklärungen über die Zusammenhänge, die es für eine lebendige und intakte Natur braucht, waren sehr wertvoll. Besten Dank an die Klinik Wyss für das Besuchsrecht und ein Lob für die vielen naturnahen Elemente auf Ihrem Gelände.

Text und Bilder: Erich Lang

 

 

Frühlingswanderung im Wallis

Der Frühling tat sich dieses Jahr mit seinen extremen Wetterkapriolen besonders schwer. Nach einer aussergewöhnlichen Wärmeperiode mit besonders im Wallis starker Trockenheit folgten in der 2. Aprilhälfte Schnee und Minustemperaturen. In Visp sank die Temperatur am 20. April auf -5.5 Grad, ein Horrorszenario für Walliser Winzer! Hunderte Hektaren sind betroffen, die Ertragseinbussen werden sich auf 300 Millionen beziffern, denn nur wenige Winzer sind gegen Frostschäden versichert.

Trotz frostigen Temperaturaussichten begaben sich 12 unbeirrte NVM-Mitglieder unter kundiger Leitung von Ursula und Stefan Maurer auf den sog. Bischofsweg von Visperterminen nach Staldenried. Und wir hatten an diesem Tag Sonnenschein pur!

Nach gemütlicher Anreise per Bahn und Postauto trafen wir uns im schmucken Walliser Bergdorf Visperterminen am Taleingang des Vispertals auf 1378 mü.M. Die erste Station im Dorf war das rustikale Restaurant „Heida“, wo wir mit Kaffee und feinen Gipfeli verwöhnt wurden.

Heida ist der Walliser Name für den aus der Sorte Salvagninblanc gekelterten Weisswein. Er wird in besonders hohen Lagen im Wallis angebaut, v.a. hier in der Region Visperterminen, wo der höchst gelegene zusammenhängende Weinberg Europas liegt.  Bereits im 16 Jh. wird der Heida in einer Urkunde erwähnt. Heida bedeutet in Walliserdeutsch „alt“ oder „ursprünglich“.

Bevor wir loslegten, genossen wir den phantastischen Ausblick auf das Vispertal, Rhonetal und auf tief verschneiten Gipfel des Aletsch- und Bietschhorns und im Mattertal auf das dominante und mächtige Weisshorn.

Stefan erzählte uns Interessantes über das frühere Leben zwischen Dorf und Alp. Visperterminen diente den Bewohnern und ihren Tieren als Winterquartier, Kornkammer und Lager für Lebensmittel.  Wer nicht mit dem Weinbau beschäftigt war, zog in den Sommermonaten mit ihren Familien und mit dem Vieh auf höhergelegene Alpbetriebe mit saftigen Weiden.

Unterwegs auf dem Höhenweg südwärts erfreuten sich unsere Blumenfreunde an den violetten Kuhschellen auf Magerwiesen, an den blauvioletten und weissen Leberblümchen sowie an der seltenen, rosafarbenen Alpenprimel. Die Blumen wurden eifrig fotografiert, für besonders gelungene, schöne Makrofotos wurden körperliche Verrenkungen und gar bäuchlings liegende Positionen eingenommen.

Auch Tierfreunde wurden nicht enttäuscht. Bei einem kleinen Stall mit Weide wurden wir von Walliser Schwarzhalsziegen mit ihren Zicklein neugierig beäugt. Makroaufnahmen gab es hier allerdings keine. Das Geruchs- und Hornstossrisiko wollte niemand auf sich nehmen.

Weiter führte uns der Weg durch herrliche Arven- und Lärchenwälder und vorbei an Hängen voller Wacholdersträucher. Die stark aromatischen Beeren wurden verköstigt, einige legten gar einen kleinen Vorrat für die Küche zu Hause an. Als traditionelle Anwendung werden Wacholderbeeren zur Appetitanregung und Verdauungsförderung und gegen Blähungen angewendet. Also genau richtig, um auf halbem Weg einen wunderbaren Picknickplatz mit massiven Naturholztischen aufzusuchen und die mitgenommenen Sandwiches zu verdrücken.

Als besondere Überraschung zauberte Ursula den köstlichen Heidawein aus ihrem Rucksack hervor!  Wir genossen zufrieden die gute Stimmung und das schöne Wetter.

Anschliessend wanderten wir einen letzten steilen Hang hoch, unter mildem Alkoholeinfluss fühlten sich die Beine bereits bleischwer an. Zum Glück erreichten wir bald Staldenried, wo im Restaurant „Zer Tannu“ ein fröhlicher Abschlusshöck statt fand.  Hier wurde ein weiterer bekannter Walliser Weisswein, ein Johannisberg (Sylvaner) ausgeschenkt. Gemäss lesvinsduvalais.ch zeichnet sich dieser Wein durch „Nuancen von Kräutertee und einem verführerischen Hintergrund von Frucht- und Mandelaromen“ aus.

Eine Stunde später reisten wir mit der Luftseilbahn talwärts nach Stalden hinunter, und von da aus bequem per Bahn wieder heim.

Die schöne Wanderung, das wider Erwarten angenehm temperierte Wetter und die Stimmung in der Gruppe trugen dazu bei, dass alle zufriedene und glückliche Erinnerungen mit nach Hause nehmen konnten.

Ein besonderer Dank für die gelungene Organisation und für das ‚wein-leibliche‘ Wohl geht an Ursula und Stefan Maurer!

Text: Lisbeth Lobsiger            Bilder: Erich Lang

 

 

Kopfweiden pflanzen im Golfpark

Anlässlich der Aktion und der Montage von Wasseramselnestern kam die Idee auf, im Golfpark zur Förderung der Naturvielfalt Kopfweiden zu pflanzen. Kopfweiden sind ein altes Kulturobjekt und wurden früher zur Herstellung von Korbwaren gebraucht. Sie bieten vielen Insekten, Schmetterlingen oder auch Fledermäusen Nahrung und Unterschlupf.

Auszug aus dem BirdLife Merkblatt zu Kopfweiden: "Gleichzeitig bieten Kopfweiden mit ihrem weichen Holz und der löchrigen Substanz einen vielfältigen Lebensraum auf kleiner Fläche: Nischen für Höhlen bewohnende Vögel und Fledermäuse sowie Nahrung für rund hundert Insektenarten. Bestehende Kopfweiden erhalten und wieder pflegen, ist ebenso sinnvoll wie das Pflanzen neuer Exemplare. Ohne grossen Aufwand und Hilfsmittel können diese Kleinstrukturen wieder die Landschaft und den Siedlungsraum bereichern."

Auch mit dieser Idee traf der NVM bei Pascal Guyot, Head-Greenkeeper im Golfpark, auf offene Ohren. Zur Vorbereitung der gut 6-10 cm dicken und gut 1.5 - 2 m langen Stecklinge half Bruno Meier vom NVM diese von Weiden zu sägen. Weitere zahlreiche Weidenstecklinge wurden im Golfpark direkt von Guy Dijkstra, Landschaftsgärtner im Golfpark, am Vortag geschnitten.

Mit dem Golfmobil und schwer beladen mit Stecklingen haben Guy und Erich Lang gut 25 Stecklinge an diversen Stellen an Bachrändern gepflanzt. Dabei kamen wir auch an massiv vom Biber verbissenen Weiden und einem Staudamm vorbei, was von der Aktivität des Bibers an der Urtenen und im Golfpark zeugt.

Gut einen Monat nach dem Pflanzen haben Walter Züst und Erich Lang die Triebe im unteren Bereich der Stämme geschnitten, damit sich die Triebe und später die Äste nur im Kopfbereich der Weide entwickeln.  Durch einen regelmässigen Rückschnitt der Äste verdichtet sich der oberste Bereich und es bildet sich schliesslich der Kopf der Weide. 

Dank der richtigen, aber nicht schwierigen Pflege der Kopfweiden werden diese in Zukunft zu einer grossen Bereicherung dem schönen, offenen Bach entlang. Ein Gewinn optischer Art, aber natürlich wie geschildert auch für zahlreiche Insekten und somit weiterer Tiere, wie Fledermäuse, Spechte und anderer Höhlenbrüter.

Mit Hilfe der Infos des BirdLife Merkblattes zu Kopfweiden können Sie auch in Ihrer Umgebung eine oder mehrere Kopfweiden pflanzen, so deren Anziehungskraft nutzen und dann die Entwicklung beobachten.

Gerne stehen wir vom NVM für weitere Auskünfte zu Ihrer Verfügung und können bei Bedarf auch kleine oder grössere Stecklinge im Spätwinter zu Ihrer Verfügung stellen, damit Sie selber Kopfweiden pflanzen können.

Text und Bilder: Erich Lang