Mosttag 2015

Wendehals und Mittelspecht

Öffentlicher Bildervortrag von und mit Hans Rudolf Pauli, Biologe, Twann

Pascal König, Co-Präsident des NVM, konnte fast 50 Besucher zum öffentlichen Bildervortrag über den Wendehals und Mittelspecht begrüssen.  Hans Rudolf Pauli, ein ausgewiesener Fachmann der Ornithologie und begeisterter Biologe, erzählte uns wie es gelang, Wendehals und Mittelspecht am Jura Südfuss zu fördern. Damit die Arten erfolgreich gefördert werden können muss man wissen: Wie leben sie und was brauchen sie?

Grundsätzlich sind beide Vögel Spezialisten. D.h. Sie brauchen ganz spezielle Bedingungen bezüglich Lebensraum und Nahrung. Der Wendehals kann vereinfacht als Ameisenspecht und der Mittelspecht als Eichenspechtbezeichnetwerden.

Der Wendehals kommt im April aus seinem Winterquartier in der Sahelzone und Spanien zurück. Er baut selber keine Höhlen und ist auf vorhandene Spechthöhlen oder passende Nistkästen angewiesen. Er wiegt 35-40gr und ist somit kleiner und leichter als eine Amsel.  Mit nur 2000-3000 Paaren in der Schweiz wird der Wendehals auf der Roten Liste als potential gefährdet aufgeführt und ist eine der 50 national prioritären Vogelarten für Artenförderungsprogramme. Er ist auf einen lückigen, ameisenreichen Untergrund angewiesen, wo er mit seiner langen und dünnen Zunge hauptsächlich Wiesenameisen, deren Eier und Larvenaufnimmt (keine rote Waldameisen). Zudem bevorzugt er wärmere Lagen, wie die Sonnenhänge am Bielersee. Mit Speichel versehen kleben diese Ameisenballen zusammen und die Fütterung der Jungvögel durch das Elternpaar kann so effizient durchgeführt werden. Im Raum Twann-Ligerz  findet er in den Rebbergen eine passende Umgebung mit lockerem Boden und Ameisen. So konnten dieses Jahr gemäss Beobachtungen von Hans-Rudolf Pauli 8 Brutpaare ihre Jungen in der Gegend aufziehen. Das Aufhängen von Wendehalsnistkästen in den Rebbergen hat zu diesem Erfolg wesentlich beigetragen. Ein Höhepunkt ist sicher auch der Nistkasten im Garten von Hans-Rudolf Pauli, in dem 8 junge Wendehälse gross wurden und wir die Bilder deren Entwicklung vom Ei bis zum Ausfliegen aus dem Nest bestaunen konnten.

Der Mittelspecht braucht knorrige alte Eichen, die im Idealfall noch mit Efeu bewachsen sind. Er ist durch seine gänzlich rote Kappe und dem weissen Gesicht vom Buntspecht zu unterscheiden. Der Mittelspecht baut seine Höhlen bevorzugt in Totholzteile von Eichen, worin er dann seine Jungen aufzieht. Eichen beherbergen eine grosse Vielfalt und Anzahl an Insekten. So sucht der Mittelspechtan der Borke und im Totholz sowie im Kronenbereich der Eichen nach Insekten, um die hungrigen Jungvögel mit viel proteinreicher Nahrung zu versorgen. Junge Eichen werden sehr gerne von Rehen gefressen und ohne spezifische Förderung wachsen kaum Eichen mehr nach.  Mit der Förderung von Waldreservaten, mit dem Ziel von 10% der Waldfläche bis 2030 in Kanton Bern, kann der Totholzanteil gesteigert werden und so nebst dem Mittelspecht, auch die gesamte Ökologie im Wald gefördert werden. Nach dem Aktionsplan von 2008 der von BirdLife Schweiz und der Vogelwarte Sempach erarbeitet wurden hat BirdLife Schweiz eine schweizweite Aktion zur Erhebung der Mittelspechtbestände gestartet. Hans Rudolf Pauli hat als Verantwortlicher für die Kartierungen vom Schwerpunktgebiet am Bielersee und vielen Kartierstunden einen sehr grossen und wichtigen Beitrag zur Bestandserhebung und Förderung des Mittelspecht geleistet.

Hans Rudolf Pauli hat uns mit seiner Begeisterung für den Wendehals und Mittelspecht gezeigt, dass durch gezielte nachhaltige Förderung und mit Zusammenarbeit mit Winzern, Bauern, Waldbesitzern und  Förstern, Bestände gefördert werden können.  Die tollen Aufnahmen hat er mit einer kleinen Kompaktkamera gemacht, die er jedoch durch das Aufsetzen auf sein Fernrohr sozusagen mit Teleobjektiv versehen hat.

Die interessantenSchilderungen von Hans Rudolf gaben uns einen schönen Einblick in das Leben dieser beidenauf der nationalen Prioritätenliste stehenden Vögel. Herzlichen Dank für den Vortrag.

Hans-Rudolf  Pauli verzichtet zugunsten eines Beitrages durch den NVM an das Projekt „Nationale Prioritäre Kulturlandvögel im Grossen Moos BE/FR 2015-2019: Steinkauz, Kiebitz, Feldlerche, Dorngrasmücke und Grauammer“ auf seine Gage.  

Text: Erich Lang / Fotos: Hans-Rudolf Pauli

 

Biotop Bärenriedwald im Juli


Fotos: Felix Winkenbach

Die spannende Welt der Käfer- und Insekten

Mit Dr. phil. nat. Lea Kamber (Biologin) aus Bangerten

Bei bestem Käferwetter trafen sich am 6. Juni 2015 10 Erwachsene und 8 Kinder zur Käferexkursion beim Bärenriedwald mit Lea Kamber und Ihrer Tochter Emma.

Die von Lea Kamber präsentierten Käferboxen aus Ihrer Sammlung ließen uns über die mögliche Grösse der Insekten staunen. In der Schweiz gibt es rund 4‘000 Käferarten, welche ein guter Indikator für die Biodiversität sind.  Dem Waldrand entlang und ums Bärenried Biotop herum suchten wir nach Käfern, die wir im Detail beobachten konnten und zu denen uns  Lea Kamber interessante Erklärungen abgab.  Weitere Information dazu im Bericht von Lea Kamber. Emma führte die anwesenden Kinder auf eine spezielle Kindertour.

Auch über invasive Arten u. A.  den Asiatischen Marienkäfer, der den einheimischen Marienkäfer verdrängt und im Weinbau  zu Schäden führt, und Asiaticher Laubbockkäfer wurden wir informiert.

Mit einem neuen nationalen Programm soll die Walddiversität gefördert werden. Es gibt noch immer zu wenig Totholz im Wald für Käfer welches auch die Entsäuerung des Bodens fördert.  Für mehr Ökologie in Ihrem Garten und zur Förderung  von Käfern und Tieren kann ein Asthaufen beitragen.  Versuchen Sie es doch selber!

Gefundene Käferarten an der Exkursion

 

Text und Fotos: Erich Lang

Uferschwalbenexkursion in die Kiesgrube Deisswil          

Am Dienstagabend 19. Mai versammelte sich bei kühlem aber trockenem Wetter eine leider nur kleine Gruppe von 8 Mitgliedern des NVM bei der Kiesgrube Deisswil. Pascal König schilderte uns als Erstes, dass das Gestein auf der Moräne des Rhonegletschers aus diversen Gebieten hier aufgeschüttet wurde. Der Kiestransport ab Abbaustelle zur Waschung erfolgt über eine unterirdische Förderanlage. Die grossen Mengen Waschwasser werden über ein Teichsystem vom Schlamm gereinigt und es wird wiederverwendet.  Zwei Drittel der aufbereiten Kieses gehen an die fbb Kalksteinfabrik an der Bielstrasse in Buchsi. Der Rest wird in der Betonzentrale auf dem Kiesbaugelände zu Transportbeton verarbeitet und vom örtlichen Gewerbe verwendet.

Auf unserem Rundgang sahen wir beim grossen azurblauen Baggersee einige Vögel. Wasservögel wie Reiherente, Blesshuhn aber auch Goldammer und Bachstelze. Mehrere Mäusebussarde kreisten über dem Gebiet. In der Abbauzone der Kiesgrube gibt es in einer sandigen, nahe an der oberen Kante gelegen Zone, eine Kolonie mit gut 25 Brutröhren der stark im Rückgang befindlichen Uferschwalbe. Die Uferschwalben Männchen graben jedes Frühjahr, nach der Rückkehr aus dem Winterquartier in Afrika, eine neue 40 – 70 cm tiefe Bruthöle. Die Weibchen suchen sich dann die beste Partie aus! Weil das Wetter so kühl war, sahen wir leider keine Uferschwalben fliegen. Pascal konnte uns aber viel Interessantes u. A. zur Kreuzkröte, die hier vorkommt, erzählen. In den flachen von der Stiftung „Kies- und Landschaft“ inizierten Teichen fanden wir zuerst einige wenige, an weiteren Standorten, dann noch tausende von Kaulquappen der seltenen Kreuzkröte. www.landschaftundkies.ch

Zum Abschluss besuchten wir den nahe gelegenen Weiher, der in einer früheren Kiesabbauzone  entstand, und von der besitzenden Bauernfamilie als Naturobjekt zur Verfügung gestellt wurde. Ein riesiger Schwarm Staren, der im dichten Schilf sein Nachtquartier hat, war zu sehen. Frösche waren zu hören und wir konnten einen mausenden Fuchs beobachten.

Zum Abschluss erlebten wir noch einen hohen Regenbogen und einen schönen Sonnenuntergang mit Sicht auf Buchsi. Besten Dank an Pascal König für die Organisation und Durchführung dieses interessanten Abendausfluges.  Vielen Dank auch an die Betreiberfirma FBB Kies und Beton AG, die uns den Zutritt gewährte und auch viel für die Uferschwalben und die weiteren Tier- und Pflanzenarten auf Ihrem Gelände unternimmt.

Nachtrag: Meldungen diverser Beoabachter ergaben den Eindruck, dass in diesem Jahr die Uferschwalben zwar in der Kiesgrube am Graben waren aber schluss und endlich nicht in die Brutröhren eingezogen sind. Ich konnte dann aber am 27. Juni wenigstens in gut 6 Löchern Ein- und Ausflug der Uferschwalben beobachten. Zudem konnte ich an einem vorherigen Besuch vor Ort sehr zahlreiche kleinste Kreuzkröten aber auch adulte Kreuzkröten beobachten.

Ein interessanter Beitrag von SRF1 - mitenand:  Eine neue Heimat für die Uferschwalben: www.srf.ch/sendungen/mitenand/eine-neue-heimat-fuer-die-uferschwalben

Text und Impressionen: Erich Lang

Insektenparadies Pfynwald  

www.pfyn-finges.ch                                                            

Am 29.Oktober 2014 konnten wir vom NVM gegen 60 Besucher zum lehrreichen Bildervortrag von Dr. Jürg Zettel, Professor im Ruhestand der Uni Bern begrüssen.

Jürg Zettel kommentierte mit vielen Anekdoten untermauert seine tollen und vielseitigen Bilder.

Der Pfynwald ist der grösste Föhrenwald der Schweiz und liegt zwischen Salgesch, Leuk und Sierre. Dieser ist an den meisten Stellen sehr monoton. Wo jedoch Schneisen in den Wald geholzt wurden, oder wo ein Waldbrand gewütet hat, befindet sich in diesem Naturpark eine unglaubliche Biodiversität.  Die sehr dynamische Rotte (Rhone) verlässt oft Ihr Kiesbett und sorgt damit für Kleinseen und Wässermatten. Verbuschende Federgrassteppen sorgen für eine weitere Bereicherung. Über den angrenzenden, nicht immer wasserführenden Illgraben,  gelangen bei Hochwasser enorme Mengen an Geschiebe und Geröll in die Gegend. Dadurch entstehen weitere  Pionierhabitate. Die extremen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht beeinflussen das Verhalten der Insekten. Um der Hitze des Bodens zu entweichen, werden die Beine durchgestreckt und auch angehoben, damit der Körper höher steht oder man klettert auf Pflanzen in die Höhe um der Hitze nahe am Boden zu entgehen. 

In Anlehnung an „The Big Five“ in Afrika nennt er seine Favoriten „The little Five“. Darunter ist auch die Röhrenspinne, welche wegen Ihres Lebenszyklus nur alle 3 Jahre als Spinne gesehen werden kann. Im 2015 ist es wieder soweit. Unzählige Male war Jürg Zettel mit seiner Kamera oder mit Studierenden und Naturfreunden auf Insektenpirsch im Pfynwald. Einige Erlebnisse dazu: Ein Hirschkäfer hat sich einmal in die Zehe eines Studenten verbissen. Der oberhalb des Zeltplatzes fütternde Wendehals hat, wenn er beobachtet wurde, seine Fütterungsflüge sofort eingestellt und diese erst wieder aufgenommen, als wieder Normalbetrieb auf dem Platz herrschte.

Viele der Insekten sind wahre Täuschungskünstler. So die Gottesanbeterin, die in Gräsern sitzend kaum entdeckt wird. Oder die Segelfalterraupe die aussieht wie ein Blatt, und sogar mit Rippen und kleinen Rostflecken versehen ist. Einige Insekten, wie z.B. Blattwespe oder Schwebefliege sehen Wespen ähnlich und halten sich somit Feinde vom Leib. Auch Käfer wie der Wespenbock, Wespenspinne, Ameisen und die bis 100 Wildbienenarten stellen hohe Ansprüche an Ihren Lebensraum. So braucht die Mörtelbiene für den Nestbau Wasser, Sand und kleine Steinchen, dazu auch noch Pollen für die Larven.

Die Heuschrecken Grabweste zerrt in die von Ihr gegrabenen Bauten, eine durch Stiche gelähmte Heuschrecke ein, damit Ihre Larven während 1-2 Wochen Futter für Ihre Entwicklung haben. Durch streichen der Beine über die Flügel entsteht übrigens die Heuschreckenmusik.

Die Bilder, der als  fliegende Teppiche bezeichneten Schmetterlinge, sorgten mit Ihrer Farbenpracht für einen tollen Abschluss, des lebendigen und immer wieder überraschenden Vortrages.

Die gestellten Fragen nutze Dr. Zettel für weiteren interessanten Einblick in das Insektenparadies Pfynwald.

Toll,  was da im Walliser Naturpark Pfyn möglich ist! Auch in der eigenen Umgebung kann jeder von uns durch  geeignete  Massnahmen etwas mehr Lebensraum für Insekten generieren und so zur grösseren Biodiversität beitragen.  Ich wünsche Ihnen dabei viel Spass und sicherlich viele interessante Beobachtungen.
SVS-Kampagne Biodiversität

 Erich Lang, Co-Präsident NVM, 01.11.2014

 Fotos: Dr. Zettel