Neuer Amphibienweiher im Buchsiwald

Am kalten Nachmittag des 26. Februar 2018 wurde der neue Amphibienweiher in der Nähe der Kirchlindachstrasse Zollikofen nach etwa 4 Jahren Vorbereitungszeit eingeweiht. Samuel Scherler von der Bauverwaltung Zollikofen hatte zur Bauabnahme und Einweihung mit reichhaltigem Apero eingeladen. Zugegen waren Sarah Althaus von der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz (KARCH), Fred Krieg von den Buchsi Burgern, Fritz Fankhauser, Tiefbauunternehmer Lyss, Vertretungen der Amphienrettungsgruppe und der Grünen Freien Liste (GFL) Zollikofen sowie Vorstandsmitglieder des NVM.

Vorgeschichte

Als im Frühling 2010 zwei Mitglieder des NVM aus Zollikofen von ihrem Amphibienschutzeinsatz an der Radiostrasse heimkehrten, entdeckten sie auf der Kirchlindachstrasse ein "Krötenmassaker". Von da an war ihr Haupttätigkeitsfeld zusammen mit Nachbarn an der Kirchlindachstrasse. Vorwiegend im März wandern vor allem Erdkröten (90%) und Bergmolche (10%) vom angrenzenden Buchsiwald über die Kirchlindachstrasse zum benachbarten Weiher des Hochschulinstituts (EHB). Die Wanderung hatte der Bau dieses grossen naturnahen Weiher im Jahre 1986 ausgelöst. In den vergangenen Jahren wurden jährlich zwischen 700 und 1700 Tiere durch Erwachsene und Kinder über die Kirchlindachstrasse getragen. Schon bald konnte der NVM die Organisation der jährlichen Aktionen an Patrick Haldimann in Zollikofen übertragen, der mit viel Herzblut die jährlichen Aktionen leitet. Die Organisation läuft über e-Mails, wichtiges Informationsorgan ist die Website.

Seit 2011 unterstützt der Werkhof Zollikofen die jährlichen Rettungsaktionen durch Strassensignalisation und Erstellen eines Amphibienzauns. Im April 2011 reichte die GFL Zollikofen im Grossen Gemeinderat eine Interpellation ein, um die Rettungsaktionen aufs politische Parkett zu bringen. Sie hat sich fortan immer wieder bei der Gemeinde für Verbesserungen beim Amphibienschutz an der Kirchlindachstrasse eingesetzt.

Auf Betreiben aktiver Naturschützer lud der Bauverwalter von Zollikofen im Juni 2014 Vertretungen interessierter und betroffener Kreise zu einer Besprechung über den Bau eines Amphibienweihers im Buchsiwald ein. Der Bau eines Weihers in einem Wald bedarf der Bewilligung durch kantonale und kommunale Behörden und ist auch administrativ anspruchsvoll. Um das Bewilligungsverfahren zu vereinfachen, wurde die Fläche des Weihers auf 100 m2 begrenzt. Die Buchsi Burger stellten spontan ein geeignetes Waldstück zur Verfügung. Maria Maierhofer vom NVM war dabei unsere Fürsprecherin bei den Burgern. Die KARCH war für die Fachberatung und Planung verantwortlich, die Gemeinde Zollikofen war Bauherrin und hat in Zukunft die Verantwortung für die Pflege des Weihers. Der NVM hat sich über die Jahre bemüht das Projekt voranzubringen und trägt nun mit 10'000 Fr. zur Finanzierung bei. Einen weiteren Beitrag leistet der Renaturierungsfonds der Berner Kraftwerke. Für die Mitglieder der Amphibienrettungsgruppe ist der neue Weiher ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für ihren Einsatz. Sie sind vom neuen Weiher begeistert. Hoffentlich die Kröten und Molche auch!                                                                          

Text: Felix Winkenbach

Bilder: Felix Winkenbach, Erich Lang


Nachtrag Mitte Juli 2018:

Für die Mitglieder der Amphibienrettungsgruppe ist der neue Weiher ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für ihren Einsatz. Sie sind vom neuen Weiher begeistert. Hoffentlich die Kröten und Molche auch!

Mit diesen Worten endet der Beitrag von Felix Winkenbach zum neuen Amphibienweiher im letzten NVM Rundbrief. Wie von Patrick Haldimann und weiteren Stellen vermeldet und beobachtet ist schon länger viel Laich im Weiher und auch Kaulquappen sind zahlreich vor Ort.
Am 21.05.18 Abend waren wir gegen 20 Uhr beim Weiher, der im Schatten lag. Selina (unsere 11 jährige Tochter) entdeckte gut ein Dutzend flinke Kleinstfrösche, die den Teich eben verlassen hatten. Der starken Sprungkraft und Geschwindkeit nach zu schliessen, würde ich meinen, es sind junge Grasfrösche. Im Teich sind nach wie vor viele Tiere in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zu sehen. Wegen der fehlenden Flora sind diese besonders gut sichtbar. Dank der Lichtung und der Sonneneinstrahlung sind in der Nähe auch zwei neue Ameisenhaufen im Aufbau.
Die Schulklasse meiner Tochter war während dem Unterricht auch schon zur Beobachtung zum neuen Teich gegangen. Ich habe auch erfahren, dass andere beteiligte Kinder dann mit ihrer eigenen Familie einen Ausflug zum Weiher machten.
Auch in Zukunft wird der Weiher sicher für weitere Schulklassen und Familien einen Besuch wert sein. Am Teich habe ich auch schon eine Rehgeiss mit zwei Kitzen gesehen und diverse Libellenarten schwirren umher.
Der neue Weiher ist also auf einem guten Weg und ich meine, nebst den Amphibienrettern sind auch die Amphibien selber vom Teich begeistert.

Danke allen, die mitgeholfen haben und bei diesem Projekt weiter aktiv sind.

Costa Rica - ein tropisches Juwel und Traumdestination für Naturfreunde

Im mittelamerikanischen Land Costa Rica gedeiht im tropischen Klima eine vielfältige und beeindruckende Pflanzen- und Tierwelt. Costa Rica ist politisch stabil und es kann gut individuell bereist werden, daher ist es ein beliebtes Reiseziel bei Naturfreunden. Vor mehr als 90 Besuchern hat Jürg Zettel, Biologe und eremitierter Professor der Uni Bern, uns mit vielen prächtigen, während einer mehrwöchigen Rundreise entstandenen Bildern das Land näher gebracht. Aber Obacht: einige der in Costa Rica vorkommenden Tiere sind äusserst gefährlich!

Costa Rica ist flächenmässig etwas grösser als die Schweiz, weist mit 4.9 Millionen aber deutlich weniger Einwohner auf. Bei der Tier- und Pflanzenwelt hat Costa Rica aber die Nase vorn: So gibt es 34‘000 bekannte Insekten, davon mindestens 1‘200 Schmetterlinge, 200 Säugetiere, 830 Vogelarten und viele Reptilien und Amphibien.

Jürg Zettels Rundreise hat mit einem Allradfahrzeug stattgefunden und wurde in Alajuela, einer Stadt im Zentrum Costa Ricas,gestartet. Übernachtet wurde meist auf privaten Lodges, die während der mehrtägigen Aufenthalte als Ausgangsort für die zu Fuss erfolgenden Exkursionen dienten. Gerade in den Regionen der Nebelwälder muss früh am Morgen gestartet werden, weil mit fortschreitendem Tag aufkommende Wolken und Nebel die Sicht auf Fauna und Flora trüben. Costa Rica weist viele Vulkane auf, an deren Kraterrändern gedeihen viele endemische Pflanzen.

Wir sehen herausragende Aufnahmen hoch spezialisierter Pflanzen, so von Heliconien, einer „Spezialität“ Costa Ricas, die 35 Arten der Gattung werden durch Kolibris besucht und bestäubt. Wir sehen auch die Fledermausblume, die in der Nacht – der Name besagt es – von Fledermäusen besucht wird. Viele der Pflanzen, z.B. die Phylodendron, sind in den Schweizer Wohnzimmern vorhanden, aber in einer deutlich kleineren „Version“. Beeindruckend sind auch die auf den Bäumen wachsenden Epiphyten wie Bromelien und Orchideen, deren Gesamtgewicht dasjenige des Baumes oft bei weitem übertrifft.

Neben vielen Wasservögelngab es auch Tukane zu bewundern. Diese ernähren sich hauptsächlich von Früchten, sind aber auch bekannte und gefürchtete Nesträuber. Weitere Tiere die uns gezeigt wurden sind: Nasenbär, Dreizehenfaultier, Pekari-Schwein, Brüll- und Klammeraffen sowie der Hellrote Ara, bei dem es Wiederansiedlungsprojekte gibt. An der Küste bei Uvita konnte Jürg Zettel sogar Wale beim Kalbern antreffen.

Dem Aufruf von Jürg Zettel zu Beginn des Vortrags „Take a walk on thewildside“ wird der eine oder andere Besucher vielleicht irgendwannnachkommen. Beim Beobachten und Bestaunen der Fauna und Flora sollten die von Spitzmaulkrokodil, Geisselskorpion, Vogelspinnen, Taranteln, Lanzenottern, Pfeilgiftfröschen und Baumschlangen ausgehenden Gefahren dann aber nie ganz vergessen gehen.

Der kurzweilige und vom Biologen und Didakten Jürg Zettel perfekt gestaltete Abend wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.

Text: Michael Gilgen

Bilder: J. Zettel


NVM Fondueabend

Zahlreiche Vereinsmitglieder des NVM und weitere Personen, die uns dieses Jahr im Naturschutz wertvolle Dienste leisteten, folgten der Einladung zum Nachtessen für Aktive im Kirchgemeindehaus am 24. November. Der von Felicitas Zopfi mit Unterstützung weiterer Vereinsmitglieder organisierte Fondue-Abend war ein gemütlicher und gelungener Anlass und ist ein Dankeschön des NVM an die vielen Personen die aktiv bei Vereinsanlässen mithelfen.  Die Gäste bereiteten das von Marius Luterbacher organisierte Fondue moitié-moitié (Gruyère AOP und Vacherin Fribourgeois AOP) im Caquelon selber direkt auf dem Brenner zu. Dabei und beim Essen herrschte eine tolle Stimmung und die Gäste fanden Zeit sich zu unterhalten und auszutauschen. Der schöne Abend wurde mit Kaffee und Süssem abgeschlossen.

Bericht und Fotos: Erich Lang


Schmetterlingsblumen an der Schmiedegasse

Wir haben die Welt nicht von unseren Vorfahren geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen!

Nach diesem Motto engagiert sich unser Verein für die Erhaltung und Neuschaffung von biologisch reichhaltigen Lebensräumen und Naturobjekten sowie deren Pflege und Gestaltung ein.

Ein schönes Beispiel dazu ist die neue mit Pflanzen und speziellen Schmetterlingsblumen bepflanzte ehemalige Pferdeweide an der Schmiedegasse mitten in Münchenbuchsee. Diese wurde vom Pächter nicht mehr benötigt und dank der guten Kontakte von Hans-Ueli Stucki konnte die Fläche zur Bepflanzung für einheimische Pflanzen genutzt werden. Damit entsteht ein buntes Feld, auf dem Insekten, Schmetterlinge und deren Larven und Raupen Unterschlupf und Nahrung finden. Leider zeitlich befristet, da das das Gelände in einigen Jahren wohl überbaut wird.

Die ehemalige Weide wurde von Hans-Ueli Stucki mechanisch vorbereitet, gegliedert und ein erster Teil bepflanzt. Am Samstag 7. Oktober haben dann vier Mitglieder des NVM die von Hans-Ueli gezogenen Setzlinge gepflanzt und angegossen. Eine Vielfalt von über 60 Pflanzenarten und insgesamt über 100 Pflanzen kann sich nun entwickeln. Die entsprechende Pflanzenliste ist erstellt worden und kann bei Interesse eingesehen werden. Zusätzlich konnten einige Kleinstrukturen als Unterschlupf für Insekten angelegt werden. Weiter wurde der Zaun verstärkt und stabilisiert.

Jetzt hoffen wir, dass die Pflanzen gut gedeihen und blühen und dann im Frühjahr reichlich Schmetterlinge, Bienen, Wildbienen und andere Insekten anziehen.
Nehmen Sie sich doch ab und zu Zeit und machen Sie einen Spaziergang zum Blumenfeld, um die Entwicklung der Pflanzen zu beobachten. Wenn Sie Interesse haben, können Sie gerne bei der Pflege der Schmetterlingsblumen mithelfen. Bitte melden Sie sich dazu bei einem der Co-Präsidenten.

Eine gute Gelegenheit, noch mehr über dieses Objekt zu erfahren, ist der Abendspaziergang des NVM mit dem Titel „Was blüht denn da?“ vom Montag 4. Juni (bei Regenwetter 5. Juni), Treffpunkt 18.30 Uhr beim Paul Klee-Schulhaus. Der Rundgang wird geführt von Felix Winkenbach und Hans-Ueli Stucki und führt zu diversen Blumen- und Heckenstandorten und eben auch zu den Schmetterlingsblumen an der Schmiedegasse.

Bericht und Fotos: Erich Lang

 

Zusätzliche Informationen:

Pflanzliste

Artikel zum Thema aus der Zeitschrift "Blumen&Pflanzen 5/2017"

 

Bunte Tagfalter im Berner Oberland

Am Montagabend 30. Oktober konnte der NVM erfreulicherweise über 70 Personen zum Bildervortrag von Hans-Peter Wymann über Tagfalter im Berner Oberland begrüssen. Hans-Peter Wymann ist im Naturhistorischen Museum Bern tätig, wo er unter anderem unglaublich detailtreue Zeichnungen von Insekten anfertigt.

Die Nordalpen sind gemäss seiner Aussage entomologisch (Insekten betreffend) schlecht erforscht. Auf der Durchfahrt im Kandertal Richtung Wallis hat vor Jahrzehnten einer seiner Forscherkollegen die Aussage gemacht: „Da fliegt nichts“. Dies hat Hans-Peter Wymann beflügelt, der Sache auf den Grund zu gehen. Von den gut 200 Tagfaltern, die in der Schweiz zu finden sind, konnten er und weitere Forscher im Berner Oberland nach langjähriger intensiver Suche und Beobachtungen gut 150 Arten feststellen, was ihn zur süffisanten Schlussbemerkung des Vortages „Irren ist menschlich“ veranlasste. Auch einige als bisher verschollen geglaubte Tagfalter wie der Gelbringfalter konnten von den Schmetterlingsspezialisten im Berner Oberland kürzlich wieder nachgewiesen worden.  

Seine Präsentation der Tour durch das Berner Oberland startete er auf der Thuner Allmend, die dank der Armee einen grossen Trockenrasen und damit auch Habitat für viele Schmetterlinge darunter z.B. den Adonisbläuling ist. Wegen des Klimawandels sind vermehrt auch neue Tagfalterarten zu finden. Der Grosse Schillerfalter ist nun öfter an höheren Standorten als auch weiter nördlich zu entdecken, sofern natürlich auch die Futterpflanzen vorhanden sind. Im Eritzer Hochmoor kommt z.B. der Hochmoor Gelbling vor. In der Nähe, auf der Lombachalp, ist ein grosses Vorkommen an Skabiosen Scheckenfaltern, welcher allgemein als sehr rar gilt.

In der Simmenfluh, die den Zugang zum Simmental markiert, sind speziell an diesem trockenen und warmen Standort Segelfalter, wie der weit verbreitete Apollofalter zu sehen, die die gute Thermik nutzen. Beim Landkärtchen sind die unteren Flügelseiten wie eine Landkarte gemustert. Dieser, wie auch viele andere Schmetterlinge, sind auf die Brennnesseln als Futterpflanze für ihre Raupen angewiesen.  

Die Verbreitung von gewissen Tagfaltern folgt Mustern, die noch nicht geklärt worden sind. So ist im Gasterntal vom sehr artenreichen Alpenapollo die eine Art nur auf der Ost-, eine weitere Art nur auf der Westseite der Kander zu finden. Im Berner Oberland haben viele Falter ihr entweder nördlichstes, westliches oder auch östlichstes Verbreitungsgebiet, je nach ihrer ursprünglicheren Herkunft.

Der grosse und kleine Moorbläuling braucht für seine Entwicklung den Grossen Wiesenknopf als Futterpflanze. Die Raupen lassen sich im Spätsommer zu Boden fallen und werden von den Knotenameisen in ihren Bau geholt im Glauben daran, dass es sich dabei um ihren eigenen Ameisennachwuchs handelt. Im Ameisenbau fressen die Raupen dann Larven der Ameisen. Im Frühjahr schlüpft der Falter und setzt mit einer klebrigen Masse die Ameisen ausser Gefecht und nutzt die Aufregung, um aus dem Ameisenbau raus zu kommen und davon zu fliegen, sich zu paaren und seine Eier erneut auf den Wiesenknopf zu legen. An diesem Beispiel ist zu sehen, wie wichtig es ist, dass verschiedene Elemente symbiotisch vorhanden sein müssen, damit einzelne, hoch spezialisierte Arten sich fortpflanzen können und somit erhalten bleiben.

Weltweit einzig kommt der Sudeten Mohrenfalter in Grindelwald vor. Auch der Schneeschillerfalter kommt in einem Umkreis von 500 km nur ums Faulhorn, oberhalb des Grindelwaldner Talkessels vor. Die männlichen Tagfalter schlüpfen oft vor den Weibchen und von manchen Arten sind die Männchen auf nassen-steinigen Flächen zu sehen, wo sie Mineralien aus dem Boden saugen, damit ihre Spermien reifen.

Im Haslital und im Gebiet gegen den Sustenpass mit seinen Auenwäldern, ist der Geissblatt Scheckenfalter zu finden. Hans-Peter Wymann konnte zu den weiteren zahlreichen beschriebenen Tagfaltern manch lebendige Geschichte über deren Entdeckungen und Beobachtungen erzählen.

Das interessierte Publikum stellte zahlreiche Fragen. So erfuhren wir, dass nur gut zehn Arten als Schmetterlinge überwintern. Die anderen entweder als Raupe, Puppe oder Ei. Manche Arten fliegen nur alle zwei Jahre, da die Entwicklung der Jungtiere wegen der kurzen Vegetationsperiode nur langsam und schrittweise vorangeht. Obwohl sich Tagfalter im Berner Oberland wegen der Klimaerwärmung neue Lebensräume erschliessen, sind diese unter Druck. Werden z.B. Alpen neu durch Strassen erschlossen, folgt damit meist auch der Austrag von Gülle. Dadurch werden die Wiesen zu fett und die vielfältige Magerwiesen Flora verschwindet und damit auch die meisten Schmetterlinge auf diesen Wiesen.

Weiter kamen die kürzlich in der Presse publizierten Ergebnisse der „Krefelder Studie“ zur Entwicklung von Insekten in den letzten 20 Jahren zur Sprache. Die Biomasse der Insekten hat in dieser Zeit um drastische 80% abgenommen. Damit fehlen einerseits Bestäuber für gut ¾ der Nahrungspflanzen, die durch Bienen und Insekten bestäubt werden, aber auch die Lebensgrundlage und Nahrung für weitere Insekten, Vögel und Fledermäuse. Die Gründe dafür sind wissenschaftlich nicht ganz klar. Ein wichtiger Grund dafür ist aber sicher die Verödung unserer Landschaft und das Verschwinden von Futterpflanzen für Insekten. Weiter der starke Einsatz von Pestiziden, damit ein hoher Ertrag erzielt wird und der Konsument makelfreie Ware kaufen kann. 

Was kann dagegen gemacht werden? Wichtig ist eine naturnahe Bewirtschaftung des eigenen Gartens oder Balkons, landwirtschaftlicher und öffentlicher Flächen.

Den eigenen Garten und Balkon naturnah zu gestalten und etwas „Wildnis“ zulassen erhöht die Naturvielfalt. Dies ist um vieles wertvoller als z.B. nur Steinflächen im Garten zu haben. Ein Insektenhotel ist gut, aber es braucht auch Nahrung für dessen Bewohner. Also Wildpflanzen vorziehen und z.B. auch Gemüse blühen lassen, wie Fenchel oder Petersilie. Sie werden staunen, wie dadurch zahlreiche Fluginsekten angezogen werden. Gegen Blattläuse hilft einfache Schmierseife oder Brennnesselwasser. Mit dem Kauf von Produkten aus naturnaher und besonders biologischer Produktion kann die Biodiversität unterstützt werden. Auf jeden Fall ist es höchste Zeit etwas gegen diese anstehende weiter Verarmung der Umwelt zu unternehmen. Machen Sie mit!

Bericht: Erich Lang

Bilder: Hans-Peter Wymann

 

Zusätzliche Informationen:

passend zum Bildervortrag des NVM über bunte Tagfalter im Berner Oberland von Hans-Peter Wymann hier eine Sendung zu Insekten auf SRF1. Bitte scrollen, wenn die Musik nicht gehört werden will. Ab ca. Minute 32 hören Sie Gründe für die massive Reduktion von über 80% der Insekten der Biomasse in den letzten 20 Jahren  und mögliche Massnahmen zur Förderung der Insekten und damit auch der Tagfalter:

Faszinierender Blick in die Welt der Insekten

Insekten sind die artenreichste Klasse der Tiere überhaupt. Viele Arten sind noch gar nicht bekannt. Der «Treffpunkt» wirft einen Blick in die faszinierende Welt der Insekten.

http://podcasts.srf.ch/world/audio/Treffpunkt_31-10-2017-1003.1509444789401.mp3?assetId=eb27babb-9be6-4299-9870-a8be431044a6

Mehr zum Thema der auch von Birdlife Schweiz im Newsletter:  

Internationales Forscherteam bestätigt dramatisches Insektensterben

Ein internationales Forscherteam aus den Niederlanden, Grossbritannien und Deutschland hat die dramatischen Befunde zum Insektenrückgang in Nordwestdeutschland in einer jetzt in der internationalen Online-Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlichten Studie bestätigt. Die Forscher stellten damit die Beobachtungen des Entomologischen Vereins Krefeld auf eine wissenschaftlich abgesicherte Basis. So ist mit den Biomasseverlusten bei Fluginsekten von 76 bis 81 Prozent seit den 1990er Jahren ein klarer Negativ-Trend erkennbar. Insgesamt wurden  in einem Zeitraum von 27 Jahren 63 Standorte in Schutzgebieten unterschiedlichster Lebensräume des Offenlandes überwiegend in Nordwestdeutschland untersucht, wobei der Rückgang überwiegend im Flachland festgestellt wurde.

Hier können Sie das PDF dazu herunterladen. 

 

FRAUBRUNNER-ANZEIGER-ARTIKEL vom 21.08.2017:

Fledermäuse - weder Superhelden noch gefährliche Blutsauger

Über die nachtaktiven Fledermäuse ist oftmals wenig bekannt – doch am 28. Juli konnten sie in Münchenbuchsee als äusserst faszinierende Tiere kennengelernt werden.

Tiere, die Tag und Nacht in unserer Umwelt leben, diese mit uns teilen. Hierbei mögen viele als erstes wohl an Katzen, Hunde, Kühe oder zwitschernde Vögel denken und nicht etwa an Fledermäuse. Bei diesem Stichwort haben einige eher durch die Lüfte fliegende Superhelden oder gefährliche Blutsauger vor Augen, manche mag es wahrlich grausen davor. Doch die Säugetiere sind genauso Teil unseres Lebensraums wie etwa Nachbars Katze und bringen uns zudem auch noch grossen Nutzen. Und doch geraten sie aufgrund ihrer Nachtaktivität oftmals in Vergessenheit - aus den Augen, aus dem Sinn. Der vom Natur- und Vogelschutz Münchenbuchsee und Umgebung (NVM) organisierte Abendspaziergang Ende Juli wirkte dem entgegen und konnte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die faszinierenden Lebewesen auf interessante Weise näherbringen.

Grosses Interesse für die kleinen Tiere
Warm und sonnig war es am Abend des 28. Juli - gute Bedingungen für den Abendspaziergang unter dem Motto "Fledermäuse in Buchsi entdecken". Geleitet wurde die vom NVM ermöglichte Exkursion von Daniela Schmieder, Biologin an der Universität Bern und Mitglied des Fledermausvereins Bern. Das Interesse war gross: Rund 45 Personen versammelten sich vor dem Kirchgemeindehaus Münchenbuchsee. Sonja Bühler aus Münchenbuchsee etwa ist durch eine Ausschreibung im Gemeindeblatt auf die Veranstaltung gestossen. 

Sofort war sie neugierig, wo die Exkursion den hinführen würde und ob dabei auch tatsächlich einige Fledermäuse entdeckt werden könnten - den bis anhin habe sie in der Umgebung noch keine bewusst wahrgenommen. Felix Winkenbach dagegen, er ist einer der Initianten des NVM und heutiger Ehrenpräsident, kann immer wieder Fledermäuse im eigenen Garten bestaunen. Er war also schon zuvor etwas vertraut mit ihnen, freute sich jedoch noch weiteres Neues über die Tiere zu erfahren.

Fledermausexkursion     Fledermausexkursion

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Wissensdurst stillen
So lange es noch hell war und bevor sich die Gruppe in Richtung Golfpark Moossee aufmachte, konnte sie von Daniela Schmieder eine Menge eindrücklicher Fakten rund um die Tiere vernehmen. Gespannt wurde zugehört, viele Fragen die sich stellten beantwortet, die Wissbegierde bis zu diesem Moment befriedigt. Sie erklärte, dass in der Schweiz etwa 30 Fledermaus-Arten leben - eine hohe Anzahl für Europa. Am häufigsten finde man hierzulande die Zwergfledermaus. Die Fledermaus Nahrung besteht primär aus Insekten, auch schädlichen, wodurch die Tiere besonders wertvoll für die Forst- und Landwirtschaft sind. Ihr wichtigster Sinn ist die Echoortung: Sie stossen Ultraschalllaute aus, kurze Töne, die über unserem Hörbereich liegen. Durch Hindernisse oder Insekten werden Echos zurückgeworfen. Dadurch können sie sich ein präzises Bild ihrer Umwelt machen und sich so orientieren oder ihre Beute finden. 

Vom Aussterben bedroht
Fledermäuse sind bedrohte Tiere, die Bestände sind klein. Es gibt immer weniger Nahrung für sie aufgrund der Verarmung der Landschaft und des Rückgangs der Insektenvielfalt. Aber auch neue Techniken oder auch glatte Flächen wie Glasscheiben stellen eine Gefahr dar. Sterben einzelne Fledermäuse, hat dies einen beträchtlichen Einfluss auf deren Population. Dies rührt daher, da sie sich sehr langsam vermehren: Ein Weibchen bringt stets nur ein Junges, selten zwei zur Welt - und dies auch höchstens einmal im Jahr. Die Paarung findet jeweils im Herbst statt. Das Besondere daran ist, dass die Befruchtung erst im Frühling stattfindet. Die trächtigen Weibchen schliessen sich mit anderen zusammen und quartieren sich in sogenannten Wochenstuben ein. Dies ist der Ort, wo die Jungen geboren und anschliessend zusammen aufgezogen werden. Die Biologin erzählt von einer Wochenstube in Schüpfen, die aus über 200 Tieren besteht. In Bulgarien habe sie aber auch schon eine mit Tausenden gesehen.

Die Fledermausrufe hören
Weiter erklärt Daniela Schmieder ein kleines rechteckiges Gerät, ein sogenannter Fledermausdetektor. Damit können die Fledermausrufe im Ultraschallbereich auf bestimmten Frequenzen abgefangen und für unsere Ohren hörbar gemacht werden. Mit mehreren dieser Geräte brach die Gruppe dann auch auf, denn die Dämmerung war bereits ein- und somit die Fledermäuse aufgebrochen. Auf dem Weg zum Golfplatz Moossee in der Nähe des Friedhofs konnten schon sehr bald erste Fledermausrufe ausgemacht werden. Friedhöfe sind meist eher naturbelassen, was den Fledermäusen natürlich lieb ist. Ausserdem befanden sich dort einige Strassenlaternen. Unter deren Lichtschein schwirren oft Insekten umher, was etwa der Zwergfledermaus zum Jagen dient. Anderen Arten hilft das wenig, denn Licht ist gemeinhin unnütz für die Flugtiere. Bezüglich der Fledermausrufe gab es eine grössere Überraschung; die meisten stellten sie sich als Pfeif-Töne vor. Doch durch die Fledermausdetektoren konnte erkannt werden, dass diese vielmehr als eine Art rhythmisches Rattern zu hören sind.

"I ha eini gseh!"
Blicken liess sich jedoch keines der Tiere und so zog die Gruppe weiter, die Ohren gespitzt, den Blick in den dunklen Himmel. Eine Exkursions-Teilnehmerin meinte beinahe enttäuscht: "Die Fledermäuse machen sich aber auch rar." Doch wenn man vom Teufel spricht... Klar und deutlich sind kurz darauf Rufe zu hören. Daniela Schmieder erklärt: "Sie sind jetzt besonders nahe." Die Art und Weise der Rufe verriet, dass gejagt wurde. Es blieb nicht nur bei den Rufen, denn nun zeigten sich die Tiere in der Dunkelheit als vorbeifliegende schwarze Schatten. Immer wieder ertönte ein erfreutes "Da!" oder ein "I ha eini gseh!".

Faszinierende Flugtiere
Um möglicherweise noch weitere dieser fliegenden Säugetiere anzutreffen wurde der Abendspaziergang fortgesetzt, der weiter über den Golfplatz Moossee bis zurück zum Kirchgemeindehaus Münchenbuchsee führen sollte. Die Exkursions-Teilnehmerin Alice Lauper war so weit hellauf begeistert von der Veranstaltung: Wie die Tiere denn genau leben und Junge haben, wie sie sich orientieren, dass sie mitunter die schnellsten Flugtiere sind - alles "faszinierende Tatsachen, über welche einem meist schlicht das Wissen fehlt." Da oftmals genau dieses Wissen fehle, komme häufig ein falsches Bild von den Fledermäusen auf - vielen schaudere es ja vor ihnen, obwohl es doch eigentlich so spannende Lebewesen seien. Sie selbst ist Mitglied des Natur- und Vogelschutz Wohlen BE. Durch diesen Verein konnte sie schon einiges über die Tiere erfahren, und doch an diesem lauen Sommerabend vieles Neues über sie lernen.

Ein voller Erfolg
Die Exkursion kam langsam zu einem Ende. Auf der Route über den Golfplatz Moossee wurde noch einige Male Halt gemacht. Immer wieder fingen die Fledermausdetektoren Rufe ab. Niemand wurde enttäuscht: Wenn auch nicht alle die Fledermäuse gesehen hatten, so konnten sie zumindest reichlich gehört werden. Die Exkursions-Leiterin konnte dabei gar vier verschiedene Arten erkennen. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Diese ausgewogene Mischung zwischen Wissen und Erleben kam bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern äusserst gut an. Schlussendlich ist festzuhalten: Fledermäuse saugen weder Blut, noch retten sie die Bürger vor Bösewichten. Vielmehr sind sie ein wichtiger Teil unserer Umwelt, welchem etwas mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Vielleicht entdecken ja auch Sie bei einem nächsten abendlichen Spaziergang eines dieser nicht zu unterschätzenden Flugtiere, während es durch die Lüfte zieht?

Ein Artikel aus dem fraubrunner anzeiger
Text und Fotos: Rebekka Christen

Bilder der Diashow: Erich Lang